#67 Neurodivergenz: Was unsere Unterschiede über uns alle verraten – Dr. Joe Greisser
Shownotes
Im zweiten Teil sprechen wir darüber, wie wir lernen können, unser Gehirn besser zu verstehen und unseren Alltag entsprechend zu gestalten. Joe stellt seine selbst entwickelte Burgmethode vor, mit der Kinder und Erwachsene einen bewussteren Umgang mit ihren Gedanken und Gefühlen entwickeln können. Außerdem geht es um den Einfluss digitaler Medien auf unsere Aufmerksamkeit, die Bedeutung von Reizreduktion und darum, warum Langeweile, Achtsamkeit und bewusstes Innehalten wichtige Voraussetzungen für Selbstregulation, Kreativität und Selbstwirksamkeit sein können.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Wir sehr gerne.
00:00:12: Ich freue mich, dass du da bist und wir heute über Neurodivergänz sprechen!
00:00:17: Das ist dein Thema?
00:00:20: Wie war dein Weg dahin, dass Du Dich als Pediater auf NeuroDivergäns spezialisiert
00:00:25: hast?!
00:00:26: Also, das war so.
00:00:28: Ich kam in die Praxis und habe da festgestellt, dass es ein häufiges Thema ist, also Kinder- und Jugendliche, die sich nicht konzentrieren können, sie sich auffällig verhalten.
00:00:42: Und hab dann wie festgestellt irgendwie sind die nirgends so betreut, wie es eben sein sollte?
00:00:49: Natürlich gibt es die Kinder- oder Jugendpsychiatrischen Angebote Aber die sind überlastet und ich habe dann festgestellt, dass es Sinn macht.
00:00:58: Dass ich mich als Kinder- und Jugendarzt diesem Thema annehme und mich um diese Familien kümmere weil der Leidensdruck häufig sehr groß ist.
00:01:08: Und was genau um den Leidendruck besser verstehen zu können hilft es wenn wir Neurodivergenz nochmal verstehen?
00:01:15: Was genau steckt denn hinter diesen Begriff der NeuroDivergenzen?
00:01:19: Man hat den Hinweis Neuro, das heißt DERFEN-System Gehirnfunktion.
00:01:24: Vielleicht kannst du uns da noch mal ganz kurz mitnehmen und erklären wie die Welt für neurodivergente Menschen eigentlich anders ist?
00:01:32: Bei neurodiversen ist die Funktionsweise des Gehirns anders was die Wahrnehmung anbelangt, die Reizverarbeitung Das Verhalten und das kann zu entsprechenden Belastungen führen im Schulalltag, im Berufsalltag.
00:01:50: Ich nehme da gerne das Beispiel der ADHS.
00:01:54: also die Aufmerksamkeitsspanne ist bei diesen Menschen verkürzt und es wird ja in einer neurotypischen Welt von einem Kind erwartet dass es vom Morgen bis am Abend von Montag Freitag sich konzentrieren kann Und das ist eigentlich für viele auch neurotypische Menschen schon mal schwierig.
00:02:16: Wenn ich jetzt aber ADHs habe und eine Aufmerksamkeitsspanne von maximal zehn Minuten, dann sind Probleme vorprogrammiert und diese Kinder bekommen dann viele negative Rückmeldungen, entwickeln einen tiefen Selbstwerb und daher kommt der Leidenschaften.
00:02:36: Das heißt, Neurodivergenz ist sozusagen wirklich mit einer erlebten Problematik im Alltag der Menschen zu verbinden.
00:02:44: Und das ist ja eigentlich auch der Grund warum es so wichtig ist dass wir heute darüber sprechen weil die Menschen sich zum Teil die Betroffenen sich zum teil selber nicht richtig verstehen wenn sie betroffen sind und wie sie auch in der Welt die sozusagen um sie herum gestalt ist gut klarkommen sollen.
00:03:01: wenn andere erscheinbar es so viel leichter haben in dieser Welt sich zu bewegen als man selbst dann entsteht dieser geringe Selbstwert, dieses Gefühl von ich kann nicht so viel.
00:03:10: Ich mache immer nur Probleme.
00:03:11: Ich habe immer nur Problemen und ich kann weniger als
00:03:13: andere.".
00:03:14: Dabei liegt es halt sehr stark einfach daran wie die Umgebung gestaltet ist.
00:03:17: Das habe ich jetzt zumindest mal aus dem was du gesagt hast verstanden?
00:03:21: Ja das ist so!
00:03:23: Und um das noch etwas auszuführen, habe ich da gerne so einen evolutionsbiologischen Blick darauf weil Neurodivergenz gab es schon immer.
00:03:33: Übrigens aus medizinischer Sicht sind da die Diagnosen A, der heißt Autismus.
00:03:38: Dyspraxie und Lese-Rechtschreibgeschichte, Rechenschwäche enthalten... Und dyspraxies?
00:03:46: Genau, dyspraxis in motorischen Schwierigkeiten.
00:03:50: Also das ist neuere Divergenz im medizinisch längeren Sinne und das gab es schon immer bevor es Diagnosekriterien gab um die moderne Medizin.
00:04:00: Und es muss ja so sein, dass diese Einzigartigkeit des Gehirns irgendwie Vorteile mit sich gebracht hat.
00:04:11: Sonst gäbe es das heute ja gar nicht mehr und ich finde das total einleuchtend wenn man das so erklärt.
00:04:16: Also zum Beispiel Atheis... Super schöne Perspektive!
00:04:19: Genau also so Atheislerinnen sind ja von Natur aus neugierig Und vor hunderttausend Jahren haben die Menschen in Stammesgemeinschaften gelebt und die Neugierigen eben neue Dinge erfunden.
00:04:33: Und neue Jagdgründe entdeckt usw.
00:04:36: Und so konnte sich diese Stammensgemeinschafter entwickeln.
00:04:41: Wenn wir zum Beispiel Autismus nehmen, ist das typisch.
00:04:45: Diese Detailgenauigkeit, die Merkfähigkeit, den Spezialinteressen... Welchen Vorteil könnte das gehabt haben in einer Stammungsgemeinschaft?
00:04:56: Das ist total einleuchtend.
00:04:58: Ja und da ist es eben so, die konnten sich dann eben merken okay wo war die Wasserstelle?
00:05:04: welche Bären sind nun giftig und sollte man nicht essen?
00:05:08: und das war für die Stammesgemeinsschaft auch ein Vorteil auch solche Menschen bei sich zu haben.
00:05:15: Und der Punkt ist der, dass sagen wir so in den letzten zehn Generationen die Anforderungen an uns Menschen gesellschaftlich gesehen sich massiv verändert haben.
00:05:29: Heute wird erwartet das man sich eben konzentrieren kann von Montag bis Freitag.
00:05:35: Dass man mit seinem Verhalten nicht auffällt, dass man immer schön brav ist und nicht impulsiv oder glütend werden soll dass man keinen Meltdown haben.
00:05:45: Und genau da, wo sich diese Themen berühren eben so diese neurodivergenten einzigartige Artigkeit und die gesellschaftlichen Anforderungen, genau da gibt es dann eben die Friktionen und entsteht der Leidensdom.
00:06:00: Ja?
00:06:01: Diese Reibung kann man ja im Grunde genommen erklären und dementsprechend auch vorhersagen!
00:06:08: Du hast ja ein Framework entwickelt anhand dessen, du mit deinen Patienten und Patientinnen arbeitest.
00:06:17: Wie bist du überhaupt darauf gekommen zu sagen ich mache das jetzt nicht so ganz klassisch sondern ich versuche das ein bisschen anders zu behandeln, zu therapieren?
00:06:27: Also vielleicht zunächst bevor wir darauf eingehen was wir klassisch machen ist die Diagnostik.
00:06:34: also da gibt es Standards und da gibt Es Fragebögen.
00:06:39: gerade in Bezug auf ADHS Gibt es Testverfahren?
00:06:44: Es gibt eine neurologische Untersuchung, wo wir die Diagnose stellen oder eben nicht.
00:06:49: Da muss man sich natürlich auch an diese Diagnosekriterien halten und das verläuft relativ standardmäßig.
00:06:58: Und wenn's dann ums Therapeutische geht, da arbeite ich...
00:07:04: Eine Sekunde bleiben wir noch mal ganz kurz beim Thema Diagnostik weil was mir auch nochmal wichtig ist zu verstehen Wenn man auf Social Media unterwegs ist, dann hat man das Gefühl dass jetzt plötzlich nicht mehr nur zwanzig Prozent der Menschen von Neuro die wir ganz betroffen sind sondern dass sich jeder anhand dieser Kriterien irgendwie selbst diagnostiziert.
00:07:22: Weil Leute sagen ich kann mich auch nicht gut konzentrieren und euch werde auch schnell wütend aber das ist ja eine ganz feine Linie sozusagen.
00:07:32: Was sagst du als Experte dazu, dass ganz viele Menschen jetzt dazutendieren zu sagen, ich bin auch Noro Divagent.
00:07:40: Oder ich hab ADHS oder ja... Ich bin auf den Spektrum.
00:07:43: Das ist fast schon so ein Trendwort!
00:07:45: Ja,
00:07:46: das hört man häufig.
00:07:49: Also grundsätzlich mal finde ich das ganz toll und sehr begrüßenswert.
00:07:57: dass neurodivergente Diagnosen wie Autismus oder ADHS eine solche Aufmerksamkeit erhalten.
00:08:04: Auch Social Media und dass viele Menschen mit diesem Thema in Berührung kommen, sich fragen, okay könnte ich davon auch betroffen sein?
00:08:13: Und könnte das wie mir selber erklären, wie ich funktioniere, könnte mir helfen mich zu verstehen?
00:08:21: So im Grundsatz finde ich es schön!
00:08:24: Und aber auf der anderen Seite ist es nachher so, dass man auch Social Media hat, wie eben so Videos sieht.
00:08:31: Wie Five Signs of ADHD und wenn du das hast dann hast du ADHS und da würde ich so sagen also wenn du selber bei dir aufgrund dieser Input die du auch erhältst auf social media den Eindruck bekommst Du könntest ADHS oder Autismus haben.
00:08:47: dann wendet ich an eine Fachperson.
00:08:50: Und die wird klären, sind die Tiere wirklich erfüllt oder nicht?
00:08:55: Aber grundsätzlich bin ich sehr dafür, die Diagnostik zu machen und da Klarheit zu schaffen auch als erwachsene Person speziell auch Frauen, die früher weniger häufig diagnostiziert wurden.
00:09:08: Weil Diagnosen helfen zwei Dinge zu bewirken – erstens Verständnis Also Selbstverständnis und auch Verständnis von meiner Umgebung.
00:09:18: Und nachher Unterstützung, also sei es zum Beispiel ein Kind in der Schule das eben zum Beispiel einen Nachteilsausgleich erhält oder auch sonstige Unterstützung?
00:09:27: Oder auch als erwachsene Person.
00:09:29: ja gibt es auch mittlerweile immer mehr Arbeitgeber die das wertschätzen, die da auch speziell unterstützen.
00:09:36: Und um nochmal ganz genau zu verstehen was ist denn für in der Diagnostik so?
00:09:42: Ich nenne ihn mal den Cut-off Point.
00:09:44: Also ich kann mich schlecht konzentrieren.
00:09:46: und wie findet man jetzt in einer Diagnostik genau heraus, wer sozusagen dann mit eingeschlossen wird in die Gruppe der No Divergents?
00:09:55: Und wer aber nicht Teil davon ist?
00:09:57: Weil es gibt ja auch ganz viele verschiedene Faktoren auf denen man bewertet wird.
00:10:01: Eine sehr gute Frage!
00:10:03: Da muss man ganz ehrlich sagen das ist keine exakte Wissenschaft.
00:10:09: Ach, das ist ja total interessant zu hören.
00:10:11: Aber genau das macht es auch für mich als Facharzt halt auch interessant eben den Menschen das Kind in seiner Individualität zu sehen und zu erkennen.
00:10:23: Und natürlich am Schluss da eine kategoriale Einordnung machen zu müssen hat es die Diagnose oder hat es eben diese nicht?
00:10:32: Und das Problem dahinter ist, dass wir es grundsätzlich hier auch bei ADHS mit einem Spektrum zu tun haben.
00:10:40: Ich vergleiche das gerne mit dem Blutdruck.
00:10:44: Also der Blut druck ist etwas dynamisches.
00:10:46: Der ist zum Beispiel am Morgen höher als am Abend.
00:10:49: So, der ist mit sechzig Jahren höher als mit zwanzig.
00:10:53: Also ein Spektrom.
00:10:54: und irgendwann hat man die Grenze gezogen und hat gesagt okay, hundertzwanzig auf achtzig wäre gut über hundertdreißig.
00:11:02: systolische Blutdruck ist dann zu viel, da muss man was tun.
00:11:06: Und da kann man sich ja fragen Ja, was soll das?
00:11:09: Könnte man nicht sagen Jeder kann seinen Blut druck haben Das ist ja individuell.
00:11:15: Ja, dass es eben so wenn ich dauernd rumlaufe mit Hundertdachzig auf Hundertzwanzig Dann habe ich eben dann vielleicht mit Fünfundvierzig einen Herzinfarkt.
00:11:23: So also es macht Sinn Diagnosenzustellen Cut-offs zu haben und zu sagen okay Dieser Mensch hat Bluthochdruck, der braucht eine Behandlung und übertragen auf ADHS bedeutet das nun wenn ich eine ADHS habe sagen wir auch eine ausgeprägte.
00:11:40: Dann hab' ich ein erhöhtes Risiko für diese Begleiterscheinungen wie Depressionen, Suchterkrankungen usw.
00:11:49: Und ja man hört es nicht gerne aber es gibt eine große dänische Studie mit ein bis zwei Millionen Menschen, die gezeigt hat, dass wenn eine Person ADHs hat, das die Lebenserwartung um acht Jahre verkürzt ist.
00:12:04: Wegen Unfallgefahr zum Beispiel wegen diesen Begleiterkrankungen, die gesundheitlich problematisch sind.
00:12:12: und da macht es Sinn Diagnosen zu stellen und zu gucken okay was kann dieser Person helfen?
00:12:19: damit klarzukommen.
00:12:20: Und ich denke, das wird zum Teil gerade wenn man auf Social Media guckt zu wenig in Betracht gezogen und ja die ADHS oder auch Artismus so als Superkraft ihr nie dargestellt.
00:12:32: Das kann es auch sein ganz klar also hat auch Vorteile.
00:12:37: Ich selber ... Du wirst schön
00:12:37: aus deiner Erzählung die historisch
00:12:40: sozusagen
00:12:41: verankert ist deutlich wurde
00:12:43: Aber auch heute noch.
00:12:45: Also ich selber habe ja auch ADHS Und eben, wie viele wissen haben diese Menschen sind kreativ.
00:12:53: Haben viel Energie.
00:12:55: Ja, können Querdenken vernetzdenken und das kann sogar auch heute wieder zum Vorteil werden wenn viele so Routineaufgaben von K.I z.B.
00:13:08: abgenommen werden dann ist es vielleicht wieder vom Vorteil wenn man ungewöhnliche Ideen hat.
00:13:15: Das ist typisch für Adi heißt
00:13:17: Ja und ich finde diese Diskussion um das Thema Neurodivergenz oder Neurodiversität eigentlich sehr schön, weil es deutlich macht dass wir hier eigentlich inklusiv denken sollten.
00:13:32: Du hast gerade schon gesagt, also ganz klare Cut-off Point sind ganz schwierig und das Spektrum ist sehr breit.
00:13:39: und wenn man jetzt an sich selber, ich sag mal bestimmte Dinge beobachtet die vielleicht anderen viel leichter fallen einem selber aber schwerer ob es jetzt eine leichte Form von ADHS ist oder so.
00:13:50: Dann findet man ja trotzdem, oder versucht man denke ich Möglichkeiten für sich zu finden wie man in dem Leben damit gut umgehen kann und mit dieser Welt einfach gut zurechtzukommen.
00:14:00: Und deswegen finde ich's schön zu sagen hey das geht gar nicht um Neurotypische und Neurodivergente also neuroabweichende Gruppen zwei Gruppen.
00:14:09: immerhin ist diese Gruppe der NeuroDivergenten bei zwanzig Prozent.
00:14:13: Ich frage mich immer, wie viele Menschen da draußen sind eigentlich undiagnostiziert.
00:14:18: Wir haben aber trotzdem irgendwie damit zu kämpfen.
00:14:20: Das heißt vielleicht ist die Dunkelziffer ja einfach viel höher?
00:14:24: Und du hast es selber auch in einem Gespräch schon gesagt... Die Dunkelzilfern und Schätzungen dazu gehen sehr weit auseinander zwischen fünf und zwanzig Prozent.
00:14:32: Das heisst vielleicht sind's doppelt so viele!
00:14:34: Ist das dann wirklich noch eine abweichende Neuro-Type?
00:14:39: oder ist es einfach...?
00:14:40: eine Diversität, die viel weiter verbreitet ist.
00:14:44: Und das ist für uns als Gesellschaft dann eigentlich total wichtig zu verstehen, worin besteht denn diese Diversität?
00:14:50: Woran können wir Menschen uns unterscheiden – was fällt anderen leicht und schwer?
00:14:55: Dass er in, ja wie du sagst, es stärken und schwächen zu sehen und dann zu schauen, wie sind denn Schulumgebungen, Arbeitsumgebung eigentlich gestaltet und wie werden die verschiedenen Typen gerecht Oder eben auch nicht.
00:15:08: Und dann müssten wir im Grunde genommen kollektiv besser darin werden, einander in genau dieser Ausprägung zu respektieren und selber aber auch zu verstehen und dadurch auch selbst wirksamer zu werden unser Leben drum herum zu gestalten.
00:15:21: das würde ja eigentlich alles viel einfacher machen und naja etwas weggehen von dieser Pathologisierung vor allen Dingen von diesen ganzen Leichten Divergenten Typen.
00:15:32: Also es gibt natürlich schwere Themen, wo man dann auch wirklich zur Medikation zurückgreift.
00:15:36: aber genau das finde ich eigentlich eine ganz schöne Perspektive auf das Thema.
00:15:41: vor allen Dingen wenn wir uns jetzt auf das nächste Thema fokussieren nämlich auf die verschiedenen Strategien wie man mit Neurodivergents umgehen kann.
00:15:52: und da würde ich dir jetzt deine Bühne einfach geben und sagen nochmal auf das Framework sozusagen zurückkommen was du entwickelt hast, um uns einmal zu erklären wo das herkommt, woher die Idee auch kam.
00:16:03: Genau und wie es funktioniert in der Praxis?
00:16:07: Also ich denke du sprichst auf die Burggemeinschaft.
00:16:09: dann Ja genau Wenn man das so hört, Burg Gemeinschaft, dann denkt man irgendwie an Mittelalter und so.
00:16:14: aber ich werde jetzt gerne erklären ja wie ich da drauf gekommen bin wie mir dasselbe geholfen hat Und wie das jetzt eben mittlerweile auch vielen Menschen speziell eben mit Neurodivergents helfen kann.
00:16:28: Also es hat damit zu tun, dass Angst ist ja eine sehr häufige Komorbidität bei ADHS.
00:16:35: Und bei mir war das in meiner Kindheit ein großes Thema.
00:16:40: Ich habe verschiedene Ängste gehabt wie zum Beispiel Angst vor Vorlesen, Angst vor Prüfungen, Angst für Dunkelheit.
00:16:48: als Kind und das ging dann eben weiter im Im Gymnasium, im Studium habe ich dann eine ganz massive Krankheitsangst entwickelt.
00:16:59: Das kennt man ja so ein bisschen von Medizinstudenten.
00:17:02: Dass wenn man all diese Krankheiten kennenlernt, dass man da irgendwie das Gefühl hat, ich hab irgendwie Kopfschmerzen, ich habe einen Hirntumor oder eine schlimme neurologische Erkrankung.
00:17:13: aber bei mir war das wirklich ganz ausgeprägt Und das hat dann eben auch nach dem Studium nicht aufgehört.
00:17:20: Ich hatte das wirklich weiterhin in meiner Facharztausbildung und ich war immer wieder bei diversen Spezialisten, weil ich überzeugt war, dass ich irgendwie so eine unheilbare tödliche Krankheit hätte.
00:17:33: Irgendwann bin ich an den Punkt gekommen, wo ich gesagt habe, ich möchte herausfinden, woher kommt diese Angst?
00:17:40: Wie kann ich gesund mit dieser Angst umgehen?
00:17:43: und auf diese Reise ... habe ich dann das innere Team entdeckt.
00:17:48: Ich weiß nicht, wer von unseren Zuhörerinnen das innene Team kennt.
00:17:53: also wenn ich meine Patienten frage und haben viele noch nie davon gehört.
00:17:57: Ich weiss nicht du Stefanie sagt ihr das was?
00:17:59: Das innere team...
00:18:01: Ich kann mir etwas darunter vorstellen aber ich könnte nicht sagen dass sich darüber schon mal was gehört hätte.
00:18:06: Ja also man kennt so ein bisschen von diesem Animationsfilm alles steht kopf ich glaube den kennen viele wo man so eine Kommandozentrale hier sieht.
00:18:16: Der ist übrigens ein wunderschöner Film, falls man die noch nicht gesehen hat – absolute Empfehlung!
00:18:23: Genau also absolut genau und eben da ist es so.
00:18:26: das innere Team bringt zum Ausdruck dass unsere menschliche Persönlichkeit keine gleichförmige Masse ist sondern aus verschiedenen Persönlichkeitsanteilen besteht und jeder Mensch kennt das.
00:18:38: und wenn ich das einführe dann mache ich sehr gerne das Montagmorgen-Wäckerbeispiel.
00:18:44: Und zwar ist es so, es ist Montagmorgen also stellt ihr das mal vor und der Wecker klingelt.
00:18:49: Kennst du diese Stimme in deinem Kopf die sich fragt okay was ist heute für einen Wochentag an einem Montag?
00:18:55: Warum kann ich Sonntags sein?
00:18:56: Ich würde gerne noch ein bisschen liegen bleiben und du bleibst liegen!
00:19:00: Und dann geht der Wecker ein zweites Mal und dann meldet sich irgendwann eine andere Stimme, die sagt es ist aber Montag.
00:19:07: Wir müssen aufstehen wir müssen arbeiten gehen man darf das nicht einfach liegen bleiben!
00:19:12: Und diese zwei Stimmen sagen ja genau das Gegenteil.
00:19:15: und dann schaltet sie so eine Chefstimme ein Die sagt ah ich sehe ihr werdet euch nicht einigen Ich entscheide jetzt wir bleiben noch fünf Minuten liegen und dann stehen wir auf.
00:19:27: So, und das kennt jeder Mensch.
00:19:29: Kennt das diesen inneren Dialog?
00:19:31: Aber bei vielen Menschen läuft es halt eben wie unbewusst ab und unkontrolliert, ungesteuert in einem gewissen Sinne von genauso wie es eben diesen Gemütlichen gibt der liegen bleiben will und diesem Pflicht bewussten, der eben aufstehen will.
00:19:47: Und übrigens auch den Chef Das ist natürlich wichtig.
00:19:50: Er gibt es eben nach dem Ängstlichen und den Zuversichtlichen und mir hat er schon mal sehr geholfen.
00:19:56: Aha, es gibt so einen ängstlichen Joy in mir.
00:19:58: Der hat Angst vor diesen Krankheiten aber es gibt noch den anderen, den Zuversichtlichen und der hat keine Angst.
00:20:05: Er sagt okay kommt schon gut.
00:20:08: Aber es gab in diesem Zusammenhang mit dem inneren Team hatte ich schon auch Schwierigkeiten.
00:20:14: Ich wollte mir irgendwie das vorstellen wie sehen die bildlich aus?
00:20:18: Diese Teammitglieder?
00:20:19: und außerdem wollte ich bestimmte Teammitlieder lieber nicht in meinem Team haben.
00:20:24: Zum Beispiel dieser ängstliche Joe, der hat ja mein Leben sehr schwer gemacht über Jahrzehnte.
00:20:29: Und dann ist allgemein auch noch bekannt diese innere Kritikerinnen.
00:20:34: Also so diese innerkritische Stimme die alles wie schlecht findet was du machst und findet du könntest alles noch besser machen Auch ein schwieriges Teammitglied.
00:20:45: Ich
00:20:46: versuch's auch, mal in die Ecke zu stellen.
00:20:48: Man versucht
00:20:49: sie mir manchmal
00:20:51: zu unterdrücken was grundsätzlich nicht sinnvoll ist weil dann kämpft man ja gegen sich selber.
00:20:58: und ebenso aufgrund dieser Schwierigkeiten habe ich mich dann gefragt was könnte mir helfen eben auch diesen ängstlichen und diesen kritischen wie würdigend anzunehmen?
00:21:08: um mir das irgendwie bildlich vorzustellen.
00:21:11: und dabei ist eben dann die Burggemeinschaft entstanden.
00:21:14: Und das geht so, stell dir vor dein Körper ist eine Burg.
00:21:18: kleine Gedanken und Gefühle stammen von Burgbewohnern in den Wohnen und alle meinen es gut mit dir.
00:21:27: Alle Burgbewohnerinnen haben gute Absichten Und das finde ich schon mal eine sehr heilsame und schöne Einsicht.
00:21:36: Auch unangenehme Gefühle, wie zum Beispiel Angst oder unangêneme Denkmuster, wie z. B. Kritik gute Absichten mit mir haben.
00:21:45: Und zum Beispiel bei der...
00:21:46: Sicherer Besten!
00:21:47: Genau.
00:21:47: Zum Beispiel bei den Burggemeinschaft ist dann so für die Angst aufmerksam erwacht man zuständig.
00:21:53: Der sorgt ja für die Sicherheit auf der Burg, genau wie du gesagt hast.
00:21:57: Und dann frage ich die Kinder jeweils, mit denen ich arbeite.
00:22:00: Mit diesen Karten, die wir auch haben und wie findest du Sicherheit?
00:22:04: Dann sagen alle ja gut!
00:22:07: Okay, und dann temmert es dem Kind oder dieser Person.
00:22:11: Angst ist gar nichts schlechtes.
00:22:13: Ich darf also Angst haben.
00:22:16: Wenn wir zur Kritik gehen, dann frag ich okay was ist das Gute an Kritik?
00:22:22: So und dann kommen die Kinder dann auch drauf.
00:22:25: Aha, ja, Kritik ist schon auch wichtig.
00:22:28: Dass ich mich verbessern kann.
00:22:29: Also Verbesserung ist da die gute Absicht und eben auch dieser innere Kritiker meint es gut mit mir weil wenn ich mit allem zufrieden wäre dann würde ich mich gar nicht verbessern.
00:22:40: Und so hilft eben diese Vorstellung dass meine Gedanken und Gefühle von Burgbewohnerinnen stammen Hilft eben diese Gefühlen anzunehmen und als Burgherr, Burgherrin ist demnach der Chef oder die Chefin diese Gefühle zu steuern.
00:22:56: Und das hilft schon!
00:22:58: Ja, das ist ein super schönes Modell und ich kann mir auch richtig gut vorstellen... ja, dass es zum einen in der Arbeit mit Kindern einfach toll funktioniert weil du so figürlich gestaltest, weil du plötzlich ...ja, es ist wie eine emotionale Aufstellung, kann man sagen.
00:23:13: Richtig von den wichtigen Spielern die auch in der Norddivergenten Situation einfach eine sehr große Rolle zu spielen scheinen.
00:23:22: Und ich glaube, ehrlich gesagt ist das für alle relevant.
00:23:24: Das nicht nur für Kinder.
00:23:25: Also die von Euro, die wir ganz betroffen sind, sondern auch für Erwachsene genauso und auch für neurotypische Menschen.
00:23:30: Weil selbst da kommt es ja oft vor dass einer's irgendwie beeinträchtigt.
00:23:35: Also absolut!
00:23:36: Das kann wirklich jeder Mensch in Anspruch nehmen weil viele Menschen haben Schwierigkeiten im Umgang mit herausfordernden Gedanken.
00:23:45: also nehmen wir zum Beispiel Zukunft.
00:23:47: sorgen schon nur für die eigenen Kinder oder für die Sicherheit im Land, aber speziell bei neurodivergenten Menschen ist halt eben so, dass Ängste sind gehäuft.
00:24:00: Also Angststörungen sind gehäft auftreten bei ADHS- oder auch Autismus und da kann es dann eben auch besonders helfen.
00:24:10: Vielleicht können wir noch mal mehr in diese Werkzeugkiste reinschauen?
00:24:15: Du versuchst deinen Patientinnen und Patienten mitzugeben je nachdem natürlich wie betroffen sie sind und ich meine du hast jetzt häufig schon von adhs gesprochen, du bist selber auch davon betroffen.
00:24:26: Und neben der Burggemeinschaft was gibst du den Kindern dann noch mit?
00:24:32: außer dass sie einfach ihr inneres team kennengelernt haben und damit ein bisschen besser mit der kondition umgehen können verbessert sich allein dadurch zum beispiel schon der selbstwert Und die Konzentrationsfähigkeit wahrscheinlich nicht, oder?
00:24:47: Also letzteres Nicht und erstes schon.
00:24:50: Also wenn ich weiß diese kritische Stimme in mir sagt, die sagt das schaffst du nicht oder andere sind besser als ich dann weiss ich dass habe nicht ich gesagt das purge sondern es war eben mein strenger Richter.
00:25:02: so das ist der innere Kritiker.
00:25:05: also da kann er schon mal helfen.
00:25:06: aber was die konzentrationsfähigkeit anbelangt dann eben nicht.
00:25:11: Und weiter Art der Heißbehandlung.
00:25:13: Noch mal ganz kurz, das ist auch schön noch einmal zu sehen.
00:25:15: weil diese Norddivergenz die setzt sich eben aus verschiedenen Problemenfeldern sage ich mal zusammen ja zum einen eben dieser geringe Selbstwert und zum anderen dann die Symptomatik die sich ja auch auf unterschiedlichen in unterschiedlichen Lebensbereichen auch äußern kann.
00:25:31: Zum einen die Konzentrationsfähigkeit die eingeschränkt ist.
00:25:34: vielleicht kannst du nochmal ein paar andere Themen nennen, die bei hoffenden Menschen auch eingeschränkt sein können?
00:25:41: Also das würde mir nun die Gelegenheit geben auch über Autismus zu sprechen.
00:25:47: Weil wir haben jetzt ja viel von ADH gesprochen und wenn wir über Autismus sprechen da ist es so von neurologischer Perspektive her dass da die Reizverarbeitung verändert ist.
00:26:01: Also es ist so, dass im Zwischenhirn gibt es eine anatomische Struktur der Thalamus.
00:26:07: Das ist so wie der Reizfilter und er filtert die Sinnesreizee, die zur Großhirnrinde gelangen.
00:26:14: Und bei Autismus weiß man das der verändert ist und dass zu viele Reizeen ja wie durchgelassen werden und ein autistisches Gehirn in dieser chronischen Überreizung ist.
00:26:28: Und das führt dann eben zu diesen Phänomenen wie Overload, Meltdown und Shutdown.
00:26:36: Man kann sich sicher vorstellen oder man kann versuchen, sich vorzustellen, wie ein Alltag einer autistischen Person damit aussehen könnte.
00:26:46: Wenn ich ins Kaufhaus gehe, wenn in die Schule gehe arbeiten alle diese Geräusche, all diese Lichteindrücke ... sind diese Menschen häufig schon in der ersten Tagesself-TV überfordert damit und wissen aber natürlich, dass die gesellschaftliche Erwartung ist.
00:27:05: Dass sie bis Ende des Arbeitstages Arbeitsplatz bleiben oder in der Schule.
00:27:10: Und sie masken – das ist ja auch so ein bekanntes Phänomen – reißen sich zusammen und eben dann zu Hause... Das heißt,
00:27:17: Sie setzen sich wie eine Maske auf und spielen eigentlich, dass
00:27:20: sie
00:27:21: so sind als die anderen?
00:27:22: Genau, das ist gar
00:27:23: nicht überreist fühlen.
00:27:25: Das
00:27:25: ist dieses Masking-Phänomen aber innerlich sehr anstrengend und dementsprechend kommt dann zu Hause.
00:27:31: der Zusammenbruch wie man bezeichnet aus Meltdown kann auch in der Öffentlichkeit passieren wenn es eben nicht mehr geht um diese Grenze erreicht ist.
00:27:42: Und so haben diese Menschen mit Autismus ganz besondere Herausforderungen.
00:27:48: Da gehen natürlich auch die therapeutischen Anstrengungen hin oder diese Reize zum Beispiel zu reduzieren, mit Sonnenbrille, mit Kopfhören, z.B.
00:27:59: reduzierten Schulpensen.
00:28:01: Also ich mache mich stark dafür, dass autistische Kinder und Jugendliche nicht das volle Pensum absolvieren müssen.
00:28:08: Ich beobachte auch als Kinderarzt, dass sie es zunehmen von Schulen wie erkannt wird und auch genehmigt wird, weil das ist schon mal sehr hilfreich.
00:28:19: Also wir haben zum Beispiel bei uns in der Schweiz, in der Region im Biel gibt es eine Schule für autistische Kinder.
00:28:25: die gehen da drei Stunden pro Tag.
00:28:28: Denn die zur Schule werden auch individuell betreut und gerade Autistische, Kinder- und Jugendliche, die möchten lernen, die möchte wie.
00:28:36: sie haben viele Interessen Und sie machen das aber lieber dann selber zu Hause, mit YouTube oder auf ihrer Weise.
00:28:44: Das ist auch okay und würde es ein bisschen gezugnehmen auf was du gesagt hast der neue Diversität dass wir als Gesellschaft auch wie flexibler und diverser werden um zu erkennen nicht jedes Kind zur gleichen Zeit das Gleiche lernen muss sondern dass wir da versuchen das zu individualisieren soweit es halt organisatorisch möglich ist.
00:29:11: Ja, weil wir natürlich auch damit sozusagen unsere, ja ich sag mal Denk-Powerhäuser, also manche autistische Personen die, man spricht ja davon sogenannten Inselbegabungen, die sind in ganz bestimmten abgesteckten Bereichen einfach extrem gut, extrem interessiert und können da extrem tief sage ich mal abtauchen in diese Lieblingsthemen.
00:29:33: Und das könnte uns als Gesellschaft natürlich auch total helfen, wenn wir das als Ressource erkennen würden und diese Menschen nicht nur erkennen sondern auch dort einsetzen.
00:29:43: Wo ihre Stärken liegen und wo wir sie alle brauchen als Gemeinschaft.
00:29:47: Denn es gibt ja auf jeden Fall diese Einsatzbereiche und das wäre ehrlich gesagt super, super schön!
00:29:55: Absolut.
00:29:56: und nochmal zurückgekommen auf deine Frage eben welche therapeutischen Ansätze dann allgemein?
00:30:02: sinnvoll sind.
00:30:03: Vielleicht
00:30:03: nochmal ganz kurz zusammenfassen, also das Thema Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit ist das eine.
00:30:09: Das andere ist eine veränderte Reizwahrnehmung,
00:30:13: d.h.,
00:30:14: die Reizreduktion steht da anscheinend im Vordergrund und wie ich es verstehe?
00:30:19: Eine Lernumgebung muss deswegen auch anders gestaltet sein.
00:30:23: Also dieses selbstgesteuerte Lernen für sich lernen hat einen viel höheren Stellenwert Und das lässt sich wahrscheinlich auch genauso dann auf das Erwachsenen-Lebenspiegeln im Konzept von Arbeit.
00:30:36: Das sind für mich diese zwei Themenfelder, gibt es irgendwie noch andere Problembereiche die noch zu nennen wären?
00:30:43: Also man hört ja sehr viel auch so in der menschlichen Interaktion und der Empathiefähigkeit oder so ist das auch ein Bereich.
00:30:54: Was die Autismus-Symptomatik anbelangt, ist es jetzt schon angeklungen mit diesen Inselbegabungen.
00:31:00: Spezialinteressen gegen Reizverarbeitung ist verändert und wo autistische Menschen Schwierigkeiten haben, ist sich gedanklich in eine andere Person zu denken.
00:31:13: Das bedeutet aber nicht dass diese Menschen nicht empathisch wären weil man unterscheidet.
00:31:18: da die affektive Empathie.
00:31:20: also sie fühlen Mit anderen Menschen, viele autistische Menschen haben auch einen sehr engen Bezug zu Tieren.
00:31:27: Zum Beispiel ein sehr viel Mitgefühl und wenn es aber darum geht ihre Überzeugungen oder Denkweisen wie zu hinterfragen und mit einer anderen Person irgendwie abzugleichen da gibt's dann Herausforderungen Wenn es dann ums Therapeutische geht, was ich noch erwähnen wollte ist dieser multimodale Behandlungsansatz.
00:31:51: Der gilt für ADS und für Autismus, dass man grundsätzlich nicht medikamentöse Strategien hat und Medikamenteuse.
00:32:01: Bei den Nichtmedikamentösen gliedert sich das eben auf in was wir jetzt schon angesprochen haben zu strategieren zum Beispiel mit der Burgmethode, mit Reizreduktion Aber da gehört dann zum Beispiel auch die Psychotherapie rein, also auch was ganz Wichtiges.
00:32:18: Oder bei den Kindern die Bergotherapie – auch ein bewährter Behandlungsansatz – schulische Maßnahmen oder pädagogische Maßnahmen und bei erwachsenen Arbeitsplatschbezogene Maßnahmen kann schon sehr viel helfen.
00:32:32: Und wenn wir bei einem Kind die Diagnose stellen, dann beginnen wir immer zuerst damit.
00:32:37: Manchmal reicht es aber nicht Und dann sind eben auch Medikamente ein Thema.
00:32:43: Medikamente muss man sowieso immer im Individualfall abklären lassen, deswegen würde ich sagen... Es ist wahrscheinlich auch sehr breit.
00:32:51: nochmal, deswegen würd' ich sagen, klar, man wird das hier an der Stelle einmal aus.
00:32:57: Gehen wir aber noch mal rein in das Thema Umgebungsgestaltung und ADHS.
00:33:03: Was ich nämlich auch sehr spannend finde ... Und du hast gesagt, ADHS oder generell Nora Divergente Menschen gab es schon immer.
00:33:11: Diese Vielfältigkeit in der Noronhein-Ausstattung hat auch Vorteile für uns.
00:33:18: Nichtsdestotrotz habe ich das Gefühl, dass in den letzten wenigen Jahren eben ist zugenommen hat, dass sich Menschen selbst identifizieren.
00:33:27: als jemand, der zum Beispiel Konzentrationsschwierigkeiten hat und ich könnte mir vorstellen, dass auch eine Veränderung der Umgebung ... Umgebung hat sich extrem verändert die letzten zehn Jahre durch digitale Tools, durch Handys, plötzlich alles in der Hosentasche.
00:33:44: Kann es sein dass das die Situation verschlimmert und diese neurologischen Herausforderungen die Menschen erleben einfach deswegen auch zugenommen haben oder diagnostizieren wir heute einfach mehr?
00:33:59: Und dadurch dass wir mehr darüber sprechen können die Leute das eben auch besser bei sich beobachten.
00:34:04: was ist da so deine Vermutung.
00:34:07: Also das zweite, was du erwähnt hast ist sicher der wichtigere Effekt also dass so die Awareness zugenommen hat, dass auch die Diagnosekriterien angepasst wurden, das ist ja auch noch ziemlich interessant.
00:34:21: Zum Beispiel war es bis vor wenigen Jahren bei ICD-X klushte man Aderheist und Autismus nicht gleichzeitig diagnostizieren.
00:34:30: Das schloss sich gegenseitig aus.
00:34:33: Und heute auch auf Social Media sieht man ja sehr viel zu AUDHS, ebenso diese Kombination Autismus ADHS.
00:34:42: Also im Prinzip das Gegenteil.
00:34:44: Heute sagt man, dass kommt genau häufig zusammen vor und es gibt einen gemeinsamen genetischen Hintergrund.
00:34:56: Das hat dazu geführt, dass Diagnosen häufiger werden, weil zum Beispiel bei ADHS war es so ... Meist die zehn musste die Symptomatik vor dem siebten Geburtstag beginnen.
00:35:06: Sonst konnte man keine Art der Heiß haben, wenn man das später festgestellt hat.
00:35:11: Aktuell ist es der zwölfte Geburtstag und ich bin überzeugt, dass es irgendwann auch heißen wird, okay?
00:35:17: Wenn die Symtomatik im Erwachsenenalter erkannt wird und man in der Kindheit ging's recht gut speziell bei Mädchen-Frauen, dass man die Diagnose eben dann aufstellen kann.
00:35:26: Also eben auch das führt natürlich zu einem Anstieg der Diagnosen Und grundsätzlich bin ich da klar auf der Seite, ich finde es gut wenn die Kriterien erfüllt sind Diagnosen zu geben um eben Unterstützung und Verständnis zu generieren.
00:35:43: Der erste Effekt den du angesprochen hast also inwiefern das Social Media Konsum Gaming unsere Reizverarbeitung und unsere Leistungsfähigkeit beeinflusst gibt auch viele zum Teil auch widersprüchliche Arbeiten dazu.
00:35:59: Also was man weiß bei ADE heißt ist, dass die Aufmerksamkeitsspanne wird verkürzt durch dieses Scrolling.
00:36:07: Ja das hat einen negativen Einfluss und... Weil das eben auch
00:36:12: den ganzen Neurutransmitterstoffwechsel ja eigentlich überlastet oder?
00:36:16: Also letztendlich jedes Mal beim Scrolling du weißt ja nicht welches Video kommt.
00:36:20: als nächstes Und es gibt so eine Erwartungshaltung und jedes mal zu einem kleinen Dopamin Kick Und wenn du dann fertig bist mit scrollen nach einer Stunde, sind deine Dopaminspeicher sozusagen entleert.
00:36:34: Wenn du dich dann hinsetzen willst für Matheaufgaben oder für die Steuererklärung und so ist es eben schwierig.
00:36:41: Und da ist die Strategie ganz klar dass man einen gesunden vernünftigen Umgang mit Social Media sich selber auferlegt.
00:36:49: Ich persönlich mache das so.
00:36:51: ich mach mir Fenster für Social Media, zum Beispiel nach dem Mittag oder am Abend.
00:36:57: Die weiß eine halbe Stunde bis Stunde und in diesem Fenster gehe ich auf Insta und Social Media und außerhalb dieses Fensters liegt.
00:37:05: Und das ist die einfachste Maßnahme auch wenn uns Eltern zuhören, die da Kinder haben, die Schwierigkeiten haben.
00:37:13: etwas vom Einfachsten sind eben so social media freie Zeiten Und da empfehle ich das wirklich genug früh einzuführen.
00:37:22: Natürlich, bei einem fünft- sechzehnjährigen Teenager wird es dann zunehmend schwierig, dass da irgendwie einschränken zu wollen.
00:37:29: aber ja man sieht auch viele acht neunzehn jährige Kinder die schon stundenlang auf TikTok sind oder am Gaming und das ist definitiv nicht gesund.
00:37:39: Und jetzt bist du ja als Betroffener und jemand der auch therapiert in dieser genialen Lage, dass du ja an dir auch ganz viele Sachen wahrscheinlich ausprobieren kannst.
00:37:49: Ja.
00:37:50: Vielleicht kannst du mit uns auch deine ganz persönlichen Strategien teilen die für dich total gut funktionieren?
00:37:57: Sehr gerne!
00:37:58: Also was für mich wichtig ist, ist Abwechslung.
00:38:01: So also zum Beispiel in meinem Arbeitsalltag gucke ich, dass sich im Sprechstunden Tätigkeit Geschäftsführungen Bürozeiten das immer so ein bisschen abwechselt und ich denke das Eine sehr wertvolle Strategie als erwachsene Person.
00:38:16: Mit AD heißt zum Beispiel, dass man sich Abwechslung sucht im Alltag bis zum Beispiel aus Kind schwierig.
00:38:22: oder ich muss ja zu dieser Lehrperson gehen und ich muss an diese Schule gehen.
00:38:26: Und der reine Wechsel von Fächern zum Beispiel reicht nicht aus?
00:38:31: Ja je nach dem nicht, je nach Interesse Genau.
00:38:35: Nachher war es auch ganz wichtig...
00:38:36: ...matterlangweilig, deutsch langweilich, bio-langweillig?
00:38:39: Ja genau, das ist in diese Richtung.
00:38:43: Also es ist einfach wichtig dass die Interessensgebiete angesprochen
00:38:46: werden von den Menschen?
00:38:46: Ja absolut!
00:38:47: Was typisch bei ADEIS ist so diesen Novelty Seeking also dieser Neugierde und das ist ja auch eine Ressource aber dafür braucht es eben noch immer wieder neue Inputs und die kann man sich als erwachsene Person einfacher holen.
00:39:03: Und was mich jetzt besonders interessiert in dieser Strategie.
00:39:06: Du wechselst denn jede, ich weiß nicht Stunde, jede zwei Stunden sozusagen den Tätigkeitsbereich oder was dann so deine Kriterien für die einzelnen Einheiten?
00:39:17: Weil wir wissen ja auch dass das Thema Wechselkosten also das kostet ja unser Gehirn auch immer wieder Energie den Kontext zu wechseln Auch wenn du das als adhs Betroffene anscheinend sehr gut kannst und dich das auch befruchtet und dich motiviert.
00:39:31: Worauf versuchst du trotzdem zu achten?
00:39:32: Also was wäre auch ein bisschen zu viel.
00:39:35: Was ich versuche ist, achtsam zu leben und das ist ja auch ein großes Thema.
00:39:41: Mindfulness, Achtsamkeit, Gegenwertigkeit, Bewusstheit usw.. Da ist
00:39:47: die Burggemeinschaft schon eine sehr gute Brücke
00:39:49: hin.
00:39:49: Genau hilft da schon.
00:39:51: aber da habe ich noch einen ganz alltagspraktischen Tipp für unsere Zuhörerinnen.
00:39:57: Was ich bei mir festgestellt habe, was ich sehr wertvoll finde und weil du das eben jetzt ansprichst mit diesen Wechseln ist in diesen Übergängen innezuhalten.
00:40:07: Und ich hab das gelernt die letzten Jahre.
00:40:10: also was ich beobachte bei mir oder auch gesellschaftlich ist dass es gibt eigentlich selten Momente im Tag wo ich gar nichts tue sondern ich wechsle von einer Tätigkeit zur nächsten und dann zum nächsten, und dann ist es farbend.
00:40:25: Und ich glaube, es gibt viele Menschen die gar nicht wirklich bewusst leben und das bewusst irgendwie wahrnehmen.
00:40:37: Was mir hilft eben speziell bei diesen Übergängen ist das Ginnenhalten.
00:40:41: also ich habe das zum Beispiel jetzt begonnen wenn ich Sprechstunde hatte den ganzen Tag und ich mache meinen Arbeitsweg mit dem Fahrrad, zehn Minuten.
00:40:50: Und bevor ich mich dann aufs Rad schwinge, stehe ich einfach mal da eine Minute.
00:40:56: Ich lasse diesen Tag ein bisschen abschließen und ich öffne meine Sinne.
00:41:02: also ich gucke in die Bäume, sehe die Vögel, höre sie zwitschern und halte inne und dann steige ich auf das Fahrrad.
00:41:11: Und wenn ich zu Hause angekommen bin, dann steige ich vom Fahrrad und bevor ich die Haustür öffne halte ich noch mal inne.
00:41:18: Bin ganz gegenwärtig!
00:41:20: Dann gehe ich ins Haus.
00:41:22: Ich finde so diese Zwischenräume könnten wir besser nutzen um ein achtsameres Leben zu führen.
00:41:30: Auch wenn man neurotypisch ist denke ich wäre eine
00:41:34: wertvolle
00:41:35: Strategie.
00:41:37: Würde ich dir absolut zustimmen?
00:41:39: Als du das beschrieben hast, musste ich die ganze Zeit grinsen.
00:41:42: Weil ich so dachte da können ja nur irgendwie Gefühle verarbeitet werden gute gefühle überhaupt erst mal Platz finden.
00:41:48: was habe ich geschafft oder nachgedanken zu einem Patienten zu deiner Arbeit?
00:41:54: dass diese Räume sind glaube ich so unglaublich wichtig.
00:41:58: also schön dass du das als jemand der sozusagen auch als adhs Betroffener für sich so nutzt beschreibt, dass das für dich so gut funktioniert?
00:42:09: Absolut.
00:42:10: Und auch bei Kindern eben... Wie bringst du
00:42:12: den Kindern das bei?
00:42:14: Also da möchte ich auch folgendes hinaus diese lange Weile und diese unstrukturierenden Zeiten, wenn mal nichts läuft sind speziell bei Kindern aber auch bei uns sehr wichtig.
00:42:27: Das braucht es damit die Kinder auch selber lernen sich zu strukturieren Ideen zu entwickeln und nicht selbst.
00:42:33: bei mir mache immer wieder mal die interessante Erfahrung, wenn ich mir sage okay, ich sitze jetzt einfach fünf Minutenmal nur da und beobachte meine Gedanken.
00:42:44: Was kommen dafür Gedanken für Gefühle?
00:42:47: Dann ist es immer wieder interessant wie ich plötzlich Ideen erhalte, wie zum Beispiel ok, meine Kinder sind schon erwachsen.
00:42:57: Ich könnte bei diesen Kindern nachfragen hey wie geht's So?
00:43:01: und diese Idee kommt aber nur aus dieser Lehre, aus dieser Langewelle.
00:43:10: Wenn ich dauernd vom einen zum nächsten gehe dann komme ich gar nicht in diesen Freiraum wo ich Ideen haben könnte.
00:43:18: ah!
00:43:19: Ich könnte doch danach fragen oder das könnte ich tun Und ich glaube, das ist auch für unsere wachsende Personen ganz wichtig.
00:43:26: Dass wir immer auch solche Zeiten einplanen muss eben nicht lange sein.
00:43:30: Also eine Minute, fünf Minuten – das ist nicht schwierig, wo wir ganz im Jetzt sind!
00:43:37: So und gleichzeitig müssen wir es schaffen uns von diesen sich immer wieder aufdringenden Plattformgeräten abzugrenzen weil genau diese Freiräume... Wichtig ist dass wir das Handy weglassen, dass wir mal den Laptop zuklappen.
00:43:54: Dass wir die Umgebung wechseln und ich glaube gerade die Handys und die sozialen Medien machen ist den Menschen sehr schwer diese freien Räume, diese kontemplativen Momente für sich zu behalten.
00:44:07: Das heißt es gilt wirklich das für sich schützen und seine Strategien zu entwickeln.
00:44:11: hast du da irgendwelche?
00:44:12: legst einfach dein Handy auch weg oder versuchst du irgendwie im Erreichbarz sein?
00:44:16: Ich glaube das ist ehrlich gesagt ein Schlüssel damit das überhaupt entstehen kann.
00:44:20: Es ist immer dieser reiz, dieser ständige Reiz dazu zu greifen und sich diesen Kick zu holen.
00:44:26: Also ich glaube was es dafür braucht ist Bewusstsein.
00:44:30: Also das Bewusstsein dass mir das nicht gut tut wenn ich drei Stunden am Tag auf Social Media bin.
00:44:36: Und ich glaube wenn dieses Bewusst sein da ist dann ist es immer wieder auch eine Entscheidung.
00:44:42: okay Ich leg jetzt die weg und ich mach mal gar nichts.
00:44:46: Und diese Veränderung, die braucht wahrscheinlich ein bisschen Zeit.
00:44:49: Aber gleichzeitig kann man dann auch seine neuronalen Bahnen umprogrammieren oder es vielleicht viel leichter fällt irgendwann in Zukunft das einfach wegzulegen weil man dann weiß was auf einen wartet.
00:44:58: und diese Momente, diese freien Momente wie du sie beschrieben hast sind ja wahrscheinlich doch sehr erfüllend?
00:45:05: Ja, auf jeden Fall!
00:45:06: Und aus psychologischer Sicht, was ich erfahre wenn ich das an die Weg lege und einfach mal nichts zu tun ist Selbstwirksamkeit.
00:45:13: Also ich spüre, okay.
00:45:15: Ich kann das steuern und das ist auch für den Selbstwert etwas sehr Wichtiges.
00:45:21: Und wie du gesagt hast, eben ist vielleicht mein Handikonsum wie eine Autobahn, wo das Handy mal weglegen ist so ein Trampelfahrt der da weggeht und du hast es angetönt.
00:45:33: Es ist zum Glück so dass unser Gehirn plastisch ist also mit Plastischen Neuroplastizität Bedeutet eben, wenn ich immer wieder diesen Trampel fahre, dann wird er breiter.
00:45:45: Und zu einer asphaltierten Straße und diese Autobahn wachsen Sonnenblumen raus oder so.
00:45:52: Das verändert sich.
00:45:53: Und das ist ein ermutigender Gedanke wie festzustellen, okay?
00:45:59: Ich kann mein Leben wirksam beeinflussen.
00:46:04: Mit der Zeit, wenn es zur Gewohnheit wird, wird es einfacher.
00:46:07: Und
00:46:09: das Schöne ist, dass No-Plasticität ja für alle Neurotypen funktioniert.
00:46:15: Sie müssen
00:46:15: jeder seine eigenen Strategien finden.
00:46:18: Genau!
00:46:19: Das ist ganz individuell absolut.
00:46:21: Super schön!
00:46:22: Joe vielen vielen Dank für deine Zeit heute.
00:46:25: ich fand es war eine extrem spannende Episode in der wir hier über dieses finde ich sehr trendige moderne Thema aber anscheinend auch uraltes Phänomen gesprochen haben und ich würde es total freuen, wenn wir als Gesellschaft schaffen würden diese Neurodiversität als etwas anzuerkennen was es ist oder sein kann.
00:46:49: Nämlich auch ein Geschenk weil die Menschen dadurch unterschiedliche Stärken entwickeln, die eigentlich ein gutes Team bilden sowie die Burggemeinschaft für jeden einzelnen von uns.
00:46:59: Vielen vielen Dank für deine Expertise, die du hier heute mit uns geteilt hast.
00:47:05: Danke dass sich hier sein Tor steht.
00:47:06: Abonniere diesen Podcast, um keine Folge mehr zu verpassen und freue dich jeden Freitagmorgen auf neue Impulse.
00:47:12: Ich lade dich herzlich ein eine Bewertung dazu lassen und den Podcast mit Menschen zuteilen, denen du einen gesünderen Alltag wünscht!
00:47:18: Dich erwarten spannende Expertinnen und Experten mit frischen Perspektiven auf die wichtigsten Fragen rund um unser gesundes Sein.
00:47:25: Du hast Feedback, Fragen oder Themenwünsche?
00:47:27: Dann schreib mir gerne einen Kommentar.
00:47:29: Oder eine E-Mail an stephanieaddgesundsein-podcast.com.
00:47:33: Danke, dass du heute dabei warst und bis zum nächsten Mal bei Gesund sein!
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