#59 Aufmerksamkeitskrise: Was die Forschung über die digitale Welt & unser Gehirn weiß - mit Prof. Dr. Sven Lindberg

Shownotes

Wir sprechen darüber, warum bereits die bloße Anwesenheit eines Smartphones unsere Denkleistung beeinflussen kann, weshalb Aufmerksamkeit zu einer der wichtigsten Ressourcen des 21. Jahrhunderts geworden ist und wie digitale Technologien die Entwicklung des kindlichen Gehirns prägen. Außerdem geht es um die Frage, welche Rolle Eltern und das Umfeld dabei spielen und wie wir Bedingungen schaffen können, unter denen Kinder konzentriert lernen, sich gesund entwickeln und ihr Potenzial entfalten können.

Eine wissenschaftlich fundierte Episode für Eltern, Lehrkräfte und alle, die verstehen möchten, wie unsere digitale Umwelt das menschliche Gehirn verändert und wie wir den bewussten Umgang mit ihr gestalten können.

Hier erfährst du mehr über Sven Lindberg.

Schaue auch auf Instagram vorbei, um stets die neusten "gesund SEIN" Infos zu erhalten oder besuche die "gesund SEIN" Homepage.

Kontaktiere mich gerne mit deinen Themenvorschlägen oder deinem Anliegen: stefanie@gesundsein-podcast.com

Transkript anzeigen

00:00:00: Hallo und herzlich willkommen bei einer neuen Episode im Gesundsein-Podcast.

00:00:09: Heute habe ich Sven Lindberg zu Gast, hallo

00:00:11: Sven!

00:00:14: Super cool dass du da bist.

00:00:15: Ich finde wir haben uns heute ein super spannendes Thema vorgenommen.

00:00:18: Du bist Entwicklungspsychologe das heißt du kannst sowohl über die psychologische Entwicklung von Kindern sprechen aber es betrifft natürlich auch alluns Erwachsene Da ein bisschen mehr darüber Bescheid zu wissen, weil wir das natürlich alle hinter uns haben und es uns bis heute prägt.

00:00:34: Außerdem wollen wir den Fokus heute auf das Thema Entwicklungspsychologische Implikation oder Stress und seine Implifikationen auf Entwicklungs-Psychologie besprechen.

00:00:46: Das finde ich in unserer heutigen Zeit einfach ein besonders relevantes Thema Und da bist du genau der richtige Führer.

00:00:54: Das habe ich in unserem ersten Gespräch schon direkt rausgefunden, deswegen freue ich mich sehr dass du da bist.

00:00:59: Magst du dich vielleicht einmal ganz kurz vorstellen damit die Leute näher über dich erfahren?

00:01:04: Ja, sehr gerne!

00:01:05: Genau also.

00:01:06: ich bin Entwicklungspsychologe vom Haus aus das quasi studiert und dann immer weiter eine Forschung vertieft.

00:01:12: ansonsten glaube ich was auch noch relevant ist weil ich immer mehr merke wie sehr mich das prägt Vater von zwei Kindern und ein Hund habe ich auch.

00:01:20: Können wir nachher noch mal drüber sprechen, warum das mit dem Hund gar nicht so unwichtig ist wenn es ums Thema Stress geht?

00:01:26: Ja genau.

00:01:26: Ich beschäftige mich eigentlich mit der ganzen Lebensspanne und aktuell halt eben auch sehr viel was denn ja Smartphones und das digitale Leben mit uns so macht.

00:01:35: Das finde ich total interessant!

00:01:37: Und ich glaube dass es da auch eine ganz große Unsicherheit ehrlich gesagt gibt in der Gesellschaft weil wir natürlich aktuell immer noch lernen wie wir mit diesen neuen Technologien umgehen.

00:01:46: im Vergleich zu anderen Technologien, die wir uns überlegt haben wissen wir erst sehr wenig darüber.

00:01:53: Obwohl natürlich die ersten Daten da sind und uns da auch definitiv warnen vor den Folgen wenn wir nicht richtig sozusagen mit diesen Sachen umgehen weil sie nämlich auch am Ende Stress bedeuten für unsere Biologie und unser Gehirn.

00:02:07: und deswegen finde ich das besonders spannend.

00:02:09: vielleicht können wir einmal einfach kurz starten Mit der frühen Prägung so zu sagen Also aus entwicklungspsychologischer Sicht, wie entwickeln wir denn zum Beispiel individuelle Stressreaktionen in der Kindheit?

00:02:25: Zum Beispiel.

00:02:26: Ja und du hattest ja auch schon gesagt das hat auch sehr stark was mit Bezugspersonen zu tun.

00:02:31: vielleicht kannst du das auch direkt so miterklären.

00:02:33: Das fand ich nämlich extrem spannend!

00:02:35: Ja also es ist halt erstmal tatsächlich einfach ein sehr komplexes Thema und ich versuche mal so ein bisschen auf die verschiedenen Aspekte einzugehen.

00:02:45: eigentlich lernen wir den Umgang mit Stress schon bevor wir auf die Welt kommen.

00:02:50: Also das heißt tatsächlich sind wir die ganze Zeit verschiedenen Einflüssen ausgesetzt und wir müssen eben schauen wie wir als Organismus damit umgehen, und dass beginnt tatsächlich schon im Mutterleib oder auch sogar schon mit davor.

00:03:03: also das heißt ist Stress erleben.

00:03:05: was ich selber habe prägt erstmal meine Biologie, meine Gene halt auch mit und das beeinflusst dann halt eben erst mal wie fruchtbar überhaupt bin ob das halt funktioniert und so weiter, und sofort.

00:03:17: Und wenn es dann funktioniert, fängt es eben schon sehr früh an dass sozusagen die Mutter und auch der Vater interagieren mit dem Leben was da heran wächst.

00:03:27: Wenn das zum Beispiel in einer sehr stressigen Umgebung ist weil entweder viel lehrer oder eben auch das Leben selber große Herausforderungen bringt Dann wirkt sich das eben auch aus auf das Leben im Bauch wächst.

00:03:40: Und da gibt es schon die ersten Einflüsse und die erste Interaktion, das ist glaube ich schon mal sehr wichtig zu wissen.

00:03:47: Ich finde das extrem interessant, weil ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es da genügend Bewusstsein dafür gibt, dass wirklich auch die Schwangerschaft und die Frau in der Schwangersschaft auch schon so vor Stress geschützt werden sollte, wahrscheinlich stark negativen Emotionen beispielsweise geschützten werden sollte.

00:04:06: Ja, das wird sehr nebensächlich behandelt.

00:04:08: Aber ist es, wie du sagst, sehr relevant?

00:04:10: Find ich einen super spannenden Insight.

00:04:12: ja.

00:04:13: Genau und das ist ein also wichtiger Aspekt!

00:04:14: Und auch – und ich meine da ist so ein bisschen vorgegriffen – auch auf der anderen Seite wieder wichtig dass wenn man darüber Bescheid weiß, dass man sich nicht selber zu viel Stress macht weil sonst komme ich halt schon wieder in so'n Ungleichgewicht, dass ich alles richtig machen möchte usw.

00:04:29: Und solche Themen wie eben auch Perfektionismus Sprechen wir später noch mal drüber, sind eben auch Sachen die einen Kind in der Entwicklung prägen wie resilient es selber wird.

00:04:41: Also wie sehr ist lernt mit unwidrigen Situationen umgehen zu können?

00:04:46: Und deswegen jetzt endlich diese Interaktion schon im Mutterleib das geht halt so weiter zeigt aber einfach erstmal dass es eine Kombination aus Genetik.

00:04:56: also was kriege ich mit von meiner genetischen Ausschattung?

00:05:00: Das ist in dem kind ja auch gegeben.

00:05:02: Und auf der anderen Seite, was passiert mit der Umwelt und wie interagiere ich mit der?

00:05:07: Also habe ich quasi wirklich hohe Belastung.

00:05:09: Und lerne ich von meinem Umfeld, wie geht man mit solchen Belastungen um?

00:05:14: Dieses Lernen beginnt schon in Mutterleib weil tatsächlich eben das Kind miterlebt, wie sozusagen von Außenbelastung kommen die vielleicht eben weil Stress... wirkt immer biologisch.

00:05:26: Das heißt, es wird Kortisol ausgeschüttet was auch als ein sehr bekanntes Stresshormon vielleicht bekannt ist.

00:05:33: Adrenalin wird ausgeschüttert.

00:05:34: das sind eben Dinge die eben den Körper dann halt hochfahren lassen, hoch aktiv sein lassen und da sind eben dinge die dann halt quasi so einen Embryo mitbekommt.

00:05:44: Und wenn das permanent hoch ist, ist das eine Sache die sich schon überträgt und sogar bis in die Veränderung der Gene gehen kann.

00:05:53: Da sind wir im Bereich

00:05:54: Epigenetik,

00:05:55: genau und das bedeutet tatsächlich dass ich einmal meine genetische Ausstattung habe und dass dann aber in Abhängigkeit der Einflüsse die ich erlebe bestimmte Schalter aktiviert oder ausgeschaltet werden können.

00:06:07: Das heißt man muss sich das so vorstellen Ich hab mit meinem R-Gut Information die Wirksamwerden oder eben nicht je nach dem was ich erleben und das heisst man muss mich das ein bisschen vorstellen wie so an und ausschalter.

00:06:19: Und wenn ich jetzt zum Beispiel eine Anfälligkeit habe, schon genetischer Natur für Stress.

00:06:24: Dass sich das nicht gut verarbeiten kann und dann erlebe ich noch zusätzlich dieses Stresserleben von außen.

00:06:30: Dann kann es z.B.

00:06:31: dazu führen dass halt bestimmte Sachen deaktiviert werden oder aktiviert werden die mir ja entweder geschützt hätten oder eben die da zu führen dass sozusagen negative Konsequenzen drohen.

00:06:42: Ja das finde ich extrem interessant zu verstehen weil uns das einfach zeigt Wir als Erwachsene können unseren Kind am Anfang, und das wirst du vielleicht auch noch mal genauer erklären.

00:06:53: Also im Mutterleib bereits aber auch nach der Geburt sind ja die Nervensysteme der Babys total an uns Erwachsenen, an die Caregiver, an den Bildungspersonen so gekoppelt oder?

00:07:05: Ja, total.

00:07:06: Die Nerven-Systeme sind ja wirklich ... weil das Baby erst mal lernen muss, die Welt sozusagen einzuschätzen und deswegen übernimmt es sozusagen einfach die körperliche Reaktion oder auch Stressreaktionen der Eltern.

00:07:17: Kann man das so formulieren?

00:07:19: Genau!

00:07:19: Du beschreibst eigentlich ziemlich gut auch das Thema Co-Regulation also was halt eben nicht nur auf Verhalten bezogen ist.

00:07:26: Also wenn ich jetzt sehe dass meine Mutter mein Vater sich irgendwie in schwierigen Situationen gut zusammen reißen können Das sind Dinge die passieren dann irgendwie später Dann kann ich mich daran orientieren, das ist so das eine.

00:07:36: Das andere ist tatsächlich eben auf der Ebene des Nervensystems.

00:07:40: Also das heißt im Mutterleib auch später wenn das Kind bei den Eltern auf der Brust liegt und im Arm liegt, im Bett mit schläft dann fassiert sozusagen auf die biologische Ebene auch so eine Co-Regulation.

00:07:52: also es heißt ruhige entspannte Nerven Systeme führen dazu dass andere auch eher Möglichkeit haben auf der Ebenen sich zu regulieren.

00:08:00: Deswegen hatte ich auch kurz meinen Haustier mit erwähnt.

00:08:02: Also, das heißt eine positive Beziehung mit einem Hund zum Beispiel kann auch dazu führen dass ich mein Nervensystem besser runter regulieren kann.

00:08:12: Ja und ich finde, das merkt man ja immer noch im Zusammensein mit der wachsenen.

00:08:15: beispielsweise wenn ich jemandem Zeit verbringe der so total entspannt ist und irgendwie mit tiefer Zufriedenheit durchs Leben geht dann macht es auch was ganz anderes mit mir als wenn ich mit so einem total gestressten Menschen interagiere.

00:08:29: Das überträgt sich schon so ein bisschen, da kann man sicher auch nicht immer von frei machen.

00:08:33: Absolut!

00:08:33: Und das finde ich sehr spannend.

00:08:34: Ich glaube jeder hat sofort wenn er darüber nachdenkt Menschen im Kopf die einen Raum zum Strahlen bringen oder halt einfach eine atmosphäre Schaffung zum Positiven und jeder hat ja auch ne Person im Kopf wo auf einmal alles hektisch wird und ist unangenehm wird und dass es tatsächlich eine Geschichte.

00:08:52: das nochmal zeigt wie stark wir sozusagen soziale Wesen sind Und das ist natürlich besonders intensiv in der Interaktion zwischen Eltern und Kind.

00:09:02: Wenn wir noch mal zwischen diese Interaktionen, Eltern- und Kind draufschauen ... Ich mein, der Alltag von Eltern lässt es ja irgendwie nicht aus, dass auch mal Stress entsteht.

00:09:13: Jetzt du als Papa und Entwicklungspsychologe!

00:09:18: Was strebst du jetzt persönlich an?

00:09:20: Man kann ja wahrscheinlich nicht immer ausschließen, stark reagiert auf irgendwas oder so.

00:09:26: Was ist das, worauf du achtest, wo du sagst?

00:09:28: Das ist eigentlich was wir als Eltern versuchen

00:09:30: könnten.".

00:09:31: Ja also was mir total geholfen hat es ein bisschen wegzukommen von dem Begriff Resilienz weil das hört sich immer so ein bisschen dieses ich schaffe es obwohl alles Schlimmes das auszuhalten.

00:09:42: Also jetzt quasi wenn man das so frame würde und es gibt eben Leute die sagen hey es wäre eigentlich viel besser wenn wir das als so eine Art Immunsystem bezeichnen also quasi unser emotionales Immun System.

00:09:53: Und das hilft mir, weil du jetzt die Frage stellt hast irgendwie was?

00:09:56: wie ist es bei mir als Vater?

00:09:57: und diese Perspektivwechsel hat mir sehr geholfen.

00:10:02: Weil das Immunsystem muss aufgebaut werden,

00:10:05: d.h.,

00:10:06: und es muss auf gebaut werden in dem es auch immer wieder sich mit Krankheitserregern auseinandersetzt.

00:10:11: D.h.

00:10:12: wenn ich total

00:10:12: immobil bin und von allen beschützt werde dann entwickelt sich mein Immunystem nicht gut.

00:10:17: Weil ich dann halt eben mich gelernt habe mit Viren, mit Bakterien usw.

00:10:21: umzugehen Und so sehe ich es auch eigentlich tatsächlich mit Stress und dem Umgang damit.

00:10:27: Also ein bisschen zu sehen, okay?

00:10:30: Also erst mal das hilft mir auch tatsächlich ein bisschen entspannter zu sein als Vater weil ich kann weder mich noch meine Kinder komplett davon schützen dass es nicht einmal stressig wird.

00:10:40: Also selbst wenn ich alles versuche zu kontrollieren dann fällt trotzdem mal irgendwas runter man verletzt sich usw.

00:10:45: Das heißt Ich kann nicht alles quasi kontrollieren und aus dem Weg räumen.

00:10:51: Sondern es ist halt auch wichtig, dass man sich auseinandersetzt mit Dingen die nicht so gut laufen.

00:10:55: Und da ist es dann glaub ich wichtig zu gucken, habe ich Handlungsmöglichkeiten und kann mich halt mit dem was passiert umgehen?

00:11:02: Kann ich daraus idealerweise etwas lernen usw.

00:11:05: und sofort.

00:11:07: Man merkt das halt also jetzt ein bisschen aus Nähkästchen.

00:11:10: Mir gelingt es eigentlich immer sehr gut, mich zu regulieren, mit Stress umzugehen Es sei denn ich bin selber gerade überlastet was aber auch normal ist.

00:11:20: Und dann habe ich mir versucht anzugewöhnen, meinen Kindern das zu kommunizieren.

00:11:24: Also es kann auch mal sein, dass sich dann halt einfach zum Beispiel mal lauter werde und versuche ich aber direkt im nächsten Schritt mich zusammenzureißen und zu erklären.

00:11:33: Mir ist es heute ganz schön viel!

00:11:34: Ich habe heute das und das zu tun... ...und jetzt bin ich gerade lauter geworden weil ich gemerkt habe, das is mir grade soviel um dieses zu kommunizinieren.

00:11:43: Ich bin gerade selber dabei, mich zu regulieren, ich bin grad überlastet.

00:11:46: Ist wiederum nur ein Lernprozess einmal für mich, weil ich halt hoffe dass es in Zukunft weniger wird.

00:11:51: Aber auch für die Kinder um zu sehen okay das ist erstmal normal, dass mir manchmal Sachen zu viel sind, dass wir manchmal auch Sachen weh tun aber ich kann eben versuchen nicht dem zu stellen und damit durchzugehen oder da dazu überwinden.

00:12:05: ja das hast du sehr schön beschrieben.

00:12:07: zum einen einmal dass dieses Immunsystem sich entwickeln sollte.

00:12:11: Das ist das eine finde ich sehr, sehr wertvoll.

00:12:14: Weil du genau wie du richtig gesagt hast, das nimmt dann natürlich auch so ein bisschen den Stress raus wenn man sich denkt okay es geht jetzt nicht darum dass ich jede Art von Stress aus dem Leben meiner Kinder oder aus meinem Leben irgendwie raushalte Es ist ja auch ehrlich gesagt maximal unrealistisch als in meinem Leben.

00:12:29: Ich weiß nicht wie die Menschen das machen, die immer keinen Stress haben Aber wahrscheinlich hat das mit der inneren Haltung irgendwann zu tun Könnte ich mir vorstellen, zumindest wäre das mein persönliches Ziel.

00:12:39: Und dann zum anderen eben zu sagen, wenn mal was passiert und man sagt okay nicht optimal reguliert aber man kann erklären warum es einem gerade so schwer fällt.

00:12:48: Wenn man sich da artikuliert seinen Kindern gegenüber dann bringt man den ja auch ein bisschen bei mit ihren eigenen Emotionen vielleicht auch besser umzugehen die besser in Worte fassen zu können weil das ist ja auch total wichtig für diese emotional Kompetenz auch in einem selber Gefühl auch benennen kann und selber erkennen, was man dann vielleicht in dem Moment irgendwie braucht.

00:13:10: Welche frühen Erfahrungen führen denn aber zum Beispiel dazu, wenn jetzt ein Erwachsener z.B.

00:13:15: extrem schlecht mit Stress umgehen kann?

00:13:18: Also mich interessiert so ein bisschen das ist zum einen halt das, was gut funktioniert wie du es beschrieben hast.

00:13:25: Wie funktioniert's denn schlecht und was führt auch dazu dass es schlecht funktioniert?

00:13:29: Das finde ich auch interessant weil das ist sozusagen das andere Ende der Möglichkeiten.

00:13:34: Genau, was ich halt sehr spannend finde ist es wird immer viel drüber gesprochen mit ja es gibt ja dann so sensible Phasen.

00:13:41: also ich werde auch als Entwicklungspsychologe mal angesprochen welche Phasens sind denn jetzt die wichtigsten?

00:13:46: und so weiter?

00:13:48: Bei den Kindern die Entwicklungsphasen.

00:13:50: Und das man erstmal sagen muss es gibt nicht so... Die Leute stellen sich das oft

00:13:54: zu

00:13:56: schwarz-weiß vor und haben deswegen auch Angst nach dem Motto Ja wenn ich das in der Phase nicht mache dann ist es für immer verloren und so weiter.

00:14:02: Also letztendlich diese sensiblen Phasen bedeutet einfach nichts anderes als, das ist gerade entwicklungsintensiv.

00:14:09: also das heißt da wird entweder was aufgebaut oder was umgebaut.

00:14:13: Wir haben weitere sensible Phasene als wir haben irgendwie das mittlere Lebensalter, hormonell stellt sich viel um nicht nur bei Frauen im Alter usw.

00:14:21: Es sind alles Phasenn wo wieder Umbau stattfindet Und das sind sensible Phasen, auch jetzt Teenager.

00:14:28: Also die Pubertät ist eine auch so eine sensible Phase.

00:14:31: Das heißt nicht dass sie sich von jetzt auf gleich alle verwandeln und so weiter sondern da passiert halt einen Umbau.

00:14:37: So ist es eben im Kindesalter also wirklich bei den kleinen Kindern.

00:14:41: Da ist es so, dass sie sensibel sind für ganz viele Reize.

00:14:46: Sie brauchen halt besonders viel Unterstützung.

00:14:48: Man muss sich das wirklich so vorstellen.

00:14:50: Am Anfang hat jeder schon mal gehört Am Anfang haben wir so viele Gehirnzellen wie nie wieder in unserem Leben.

00:14:55: Ja, das ist richtig, weil wir so wenig Verbindungen haben und es wird dann im Laufe des Lebens werden immer stärkere Verbindung im Gehirne geknüpft, dass sie letztendlich lernen und andere Sachen werden abgebaut.

00:15:08: Das heißt, was ich brauche, wird verstärkt.

00:15:11: Was ich nicht brauche wird abgebaut.

00:15:13: Und da kommen jetzt eben auch zu diesem positiven oder negativen Stress erleben.

00:15:17: Also das heißt wenn ich viele positive Erfahrungen habe dann bauen sich sozusagen ein Netzwerk in diese Richtung auf.

00:15:24: Hab ich das nicht?

00:15:26: Baut sich entweder quasi nicht so einen Netzwerk auf oder eben negative Netzwerke, man muss sich das so vorstellen.

00:15:32: wenn ich jetzt quasi sagen wir mal tatsächlich Ich werde im Säuglinge im Kriegsgebiet so,

00:15:38: d.h.,

00:15:39: ich habe keine Sicherheit Wir müssen ständig die Eltern müssen stendig den Ort wechseln es gibt Lärm alle sind aufgeregt und so weiter und sofort Dann ist das erstmal die Normalität Gehirn des Kindes prägt.

00:15:53: Und das heißt, es lernt immer erst mal immer wachsam sein.

00:15:57: Also der Alarmechanismus, also die Amygdala, die Gefahr erkennt und dann den Körper unter Stress setzt, Cortisoladrenalin um fliehen oder kämpfen zu können.

00:16:08: Das ist dauerhaft aktiv und in Anführungszeichen brennt sich in mein Gehirne ein.

00:16:15: Kriegserfahrung ist sehr eindrücklich aber andersrum ... wenn ich jetzt quasi in einem Haushalt groß werde, wo es immer hektisch ist.

00:16:23: Wo immer gestresster ist die Eltern nicht runterfahren können und so weiter und so fort dann ist das auch eine Prägung, die sich quasi neuronal niederschlägt.

00:16:33: also es heißt es bilden sich Verbindungen, die eben lernen bei kleinsten Sachen schnell aktiv sein.

00:16:41: So und das heißt dass zum Beispiel dieser Alarmmechanismus den wir haben Das ist das, was als erstes da ist.

00:16:49: Also das Erkennen von Gefahr können wir als Seugling und als Kleinkind sehr schnell.

00:16:55: Das ist sozusagen unser Alarmsystem und das reagiert.

00:17:00: Und dass andere das denken und kontrollieren, was im Frontal hier stattfindet, das entwickelt sich erst im Laufe der Zeit.

00:17:07: Man muss sagen die Anlagenanlage der Motor ist von Anfang an da aber die Brems- und Sicherheitsanlage kommt erst später dazu.

00:17:15: Und das ist sozusagen so, dass halt eben das Verhalten und das Soziale prägt mich am Anfang.

00:17:22: Und präge dann meine eigene Denkstrukturen... ...und eben die Strukturen, die aktiv werden automatisch wenn es zu Stress kommt.

00:17:30: Deswegen eine Kind, was eine positive Entspanntprägung hat.. ..und ein Kind, der diese beeinträchtigte Bedingungen hatte.

00:17:40: Die rufen später diese Muster ab!

00:17:43: Und zwar nicht bewusst sondern unbewusst.

00:17:45: Und das prägt dann oder führt dann dazu, wie Sie auf Stress reagieren und wie Sie damit umgehen.

00:17:51: Und damit meinst du ja wirklich auch nicht unbedingt kognitiv, sondern eher dieses ... Wie reagiert meinen Nervensystem?

00:17:57: Mein Körper?

00:17:58: Reagiert da entspannt und kann ich weiterhin irgendwie eine gesunde Ausgleich erleben im Alltag?

00:18:07: Oder lasse ich mich von vielen Terminen und Hektik angespannt den ganzen Tag.

00:18:13: Also... Parasympathikus, Sympathicus.

00:18:15: Also habe ich da einfach so eine ungesunde Disbalance im Grunde genommen oder?

00:18:19: Genau und es ist eigentlich total wichtig dass du das ansprichst weil ... Weil du bist eingestiegen mit... Das ist ja dann nicht kognitiv genau!

00:18:27: Und das ist auch das was oft als Menschen davon überwältigt werden.

00:18:32: Ich kann zum Beispiel ungünstige Faktoren gehabt haben in der Interaktion in der Kindheit und dann entwickelt sich eine stabile Jugend und ich bin ein super Funktionaler Erwachsener Und dann verändert sich mein Leben und auf einmal sind so viele Stressoren da.

00:18:47: Dann reagiere ich auf einmal komisch, das heißt mir ist gar nicht bewusst nach dem, warum habe ich den ... Woher

00:18:53: kommt das?

00:18:53: Genau!

00:18:53: Ich bin noch sonnenspreiter Mensch, warum schreihe ich auf mal meine Kinder an?

00:18:57: oder warum fange ich auf ein Mal an irgendwie zu zittern und hysterisch an zu weinen, wo kommt das denn her?

00:19:04: Das ist Leuten oft nicht bewusst weil das oft Muster sind die man kontrollieren konnte, weil dann die späteren Bedingungen gut waren.

00:19:12: Und dann wieder halt dieses, also man spricht auch oft so vom inneren Arbeitsprogramm.

00:19:16: Das wird auf einmal aktiv weil das frühe gelernte Muster sind die sich neuronal quasi abgebildet haben und die dann auf einmal wenn die Situationen wieder ähnlich sind, also auf einmal gibt es wieder Stress in der Umgebung?

00:19:29: Auf einmal gibt's wieder Situation wo man sich hilflos fühlt?

00:19:33: Dann werden auf einmal diese Muster aktiv Die mir gar nicht mehr so bewusst geworden sind weil ich sie in Anführungszeichen länger Zeit nicht brauchte.

00:19:42: Und das ist eben oft dann eine Sache, wo man merkt, okay ... Man versteht es selbst nicht so ganz?

00:19:47: Man kann's aber auch nicht überwinden.

00:19:49: und das sind dann Sachen, wo Leute sagen, na ja, so bin ich halt oder ... Ach ja!

00:19:53: Mein Papa hat immer auf den Tisch gehauen.

00:19:56: Ganz oft

00:19:58: muss

00:19:58: er sich übertragen wenn Leute irgendwie noch einmal ne Härte gegenüber ihren Kindern zeigen weil sie das früher selbst erlebt hatten.

00:20:06: Das heißt da muss man dann über das Kognitive gehen um zu erkennen, dass diese Muster da sind und sich eben auch da wieder gegenarbeiten kann.

00:20:15: Weil das ist ganz wichtig!

00:20:17: Wir wissen jetzt seit einigen Jahren oder mittlerweile ein bisschen mehr als ein Jahrzehnt, dass unser Gehirn so plastisch ist, dass sich das auch noch verändern lässt.

00:20:26: Also dieses Ich bin halt so?

00:20:29: Da kann ich nichts machen bis Quatsch Aber was halt eben stimmt ist... Diese Veränderungen sind sehr mühselig und schwer zu erzielen, aber ich kann sie erzielt.

00:20:42: Das finde ich super wertvoll zu verstehen.

00:20:45: Und du hast grad noch einen anderen spannenden Punkt genannt.

00:20:48: Da bin ich sowieso gerne als nächstes hingegangen.

00:20:52: Wie wichtig ist es denn auch das Leben oder die Kindheit meiner Eltern zu verstehen?

00:20:59: Meiner Großeltern zu verstehen um zu verstehen wie ich heute bin?

00:21:04: Ich glaube erst mal ganz wichtig weil viele Leute sich sehr viel mit der Vergangenheit beschäftigen.

00:21:09: Also erst mal vorweg vielleicht, es ist erstmal wichtig zu akzeptieren wie sozusagen ich jetzt aktuell bin und es lohnt sich total, sich auf das zu konzentrieren was alles schon gut funktioniert und seinen Blick nach vorne zu richten.

00:21:22: also das heißt lieber sich mit Freude auf die Zukunft nach vorne ziehen lassen als quasi mit Resignation und Trauer nach hinten.

00:21:33: Das sozusagen als Disclaimer vor weg Aber genau wie wir gerade gesprochen haben, es gibt eben auch dieses Transgenerationale.

00:21:40: Das klingt immer irgendwie so komisch heißt aber nichts anderes als dass sich von Generation zu Generation bestimmte Dinge Muster, das haben wir grade schon so viel über Muster gesprochen und das ist eigentlich genau das übertragen lassen.

00:21:53: also das heißt wenn in einer Familie zum Beispiel nicht über Emotionen gesprochen wird dann ist es quasi einen Standard der gesetzt ist Der überträgt sich dann.

00:22:03: Und das Problem ist, Emotionen kann ich besser verstehen wenn ich sie konkret benennen kann.

00:22:09: Wenn ich aber gelernt habe möglichst nicht über Emotion zu sprechen und sie möglichst wegzudrücken, dann ist es eine Sache die sich auch verfestigt.

00:22:17: Das ist eben auch eine Sache, die sich übertretet.

00:22:20: Das Schöne in Anführungszeichen ist, wenn ich mir das bewusst mache, dann kann ich mich dem entgegenstellen.

00:22:27: Idealerweise ... fange ich damit schon an, bevor ich dann meine Kinder bekomme.

00:22:31: Wenn ich zum Beispiel weiß okay wir haben einen extremen Leistungsanspruch in der Familie und das hat vielleicht dazu geführt dass ich da selber immer schon drunter gelitten habe Und dann verstehe das ist ein Thema in unserer Familie Das geht auf Uropa William den zweiten zurück.

00:22:46: Dann ist es eine Geschichte wo man wirklich denkt Okay!

00:22:50: Das hat ja positive Seiten.

00:22:51: irgendwie einen hohen Anspruch zu haben Leistung zu wollen ist erstmal gar nicht schlecht aber es darf halt nicht dazu führen dass ich sozusagen leide und mich selber sozusagen beeinträchtige.

00:23:03: Und dann kann man halt eben ... Was kostet mir das?

00:23:05: Genau, was kostet nicht das?

00:23:06: Und vor allem wie sehr möchte ich, dass mein Kind zum Beispiel die Kämpfe durchmachen muss, die meinen Vater, meine Opa usw.

00:23:14: Das ist glaube ich schon mal erst einmal sehr wichtig zu sehen okay?

00:23:18: Ohne Frage ist man geprägt!

00:23:21: Man kann aber auch wirklich überlegen, was möchte ich davon als Stärke weiter tragen?

00:23:26: Und was sind die Dinge, wo ich merke?

00:23:28: Das wäre auch schön gewesen, wenn ich die nicht gehabt hätte.

00:23:31: Dann kann ich eben auf das, sozusagen meinen Kindern zu ersparen oder halt zumindestens es transparent machen.

00:23:39: Dieses Transparentmachen zu überlegen okay... Jetzt bin ich gerade außer Haut gefahren weil heute war so viel los.

00:23:45: Aber das kennst du ja.

00:23:47: Kennst ihr von Opa?

00:23:48: Das ist noch eine Sache da müssen wir beide mal daran arbeiten und so weiter.

00:23:52: Das sind halt eben Dinge klingt jetzt irgendwie sehr ... wenig Alltagsnah, dass man so gestellst mit seinen Kindern spricht und das war beim Opa.

00:24:01: Aber ich glaube diese Reflexion und halt dann auch ein bisschen sich das selbst zu erklären hilft dann auch glaub ich das für die Kinder besser einzuhalten sei es nur implizit indem man halt sozusagen zeigt Mensch jetzt atme ich mal durch Und das ist mir gerade schwer gefallen Das reicht ja schon in dem Kind zu zeigen Mir fällt das gerade schwer Ist ein super Wachstumsmoment Weil Kinder denken am Anfang, Eltern erwachsene können alles.

00:24:28: Und diese Götterdämmerung fängt sehr früh an und das kann man ja auch proaktiv mitgestalten, dass es eine positive Dämmerungen wird.

00:24:38: Ja super cool!

00:24:40: Und ich meine die Kinder verbringen ja auch ganz viel Zeit nicht nur zu Hause sondern eben auch im Kindergarten, in der Kita.

00:24:50: In der Betreuung andere Bindungspersonen später dann noch in der Schule.

00:24:55: Das heißt diese Systeme prägen ja die Kinder extrem mit.

00:25:00: und jetzt schauen wir uns mal die Situation an in Deutschland.

00:25:03: es fehlen jetzt hier.

00:25:05: ich meine Burnout unter Lehrern ist glaube ich auch ein extremes Phänomen Die letzten Jahre.

00:25:11: wie schaust du als Entwicklungspsychologe auf diese Situation?

00:25:15: Ja was Ich halt da ansehe und das ist momentan auch politische Debatte.

00:25:19: Also, wie kriegen wir irgendwie Teilzeit runtergefahren?

00:25:22: Und dies sind damit mehr Leute Vollzeit arbeiten und so weiter und sofort Ja alles super weil ich finde da sollten wir erst darüber reden wenn die Bedingungen gut sind.

00:25:30: und Geschichte ist die dieser Spruch klingt nach Kalendarspruch ist aber mega mega wichtig nämlich Beziehung vor Erziehung.

00:25:40: So und dass gilt komplett fürs Bildungssystem und vor allem für die frühkindliche Förderung.

00:25:47: Das heißt, gerade wenn sozusagen die Systeme also Kindergärten Schule und so weiter herhalten müssen als einen Ort wo Kinder außerhalb des Elternhauses Unterstützung und Bildung usw.

00:26:01: erfahren dann brauchen sie dort Sicherheit weil wir lernen.

00:26:06: nur wenn wir in einem sicheren System sind Wenn wir uns bedroht fühlen Dann fährt unser Nervensystem hoch im Modus kämpfen, flüchten oder wir freezing also erstachen.

00:26:19: Beides jeweils ein Modus in dem man nicht gut lernen kann.

00:26:22: Wir wissen unser Arbeitsgedächtnis funktioniert dann nicht gut.

00:26:24: Arbeitsgedechnis ist sozusagen die Vermittlung zwischen den was ich erlebe und verarbeite und was sich dann im Langzeitgedächenes speichert.

00:26:32: das funktioniert nicht gut unter Stress und unter unruhigen Situationen.

00:26:37: Und dass es einfach eine Sache wo wir wissen okay wenn auf zwanzig Kinder eine Erzieherin oder ein Erziehrkont, dann ist eben die Bindungsqualität ... ja das wird schwer.

00:26:50: So und andersrum wenn ne Lehrerinnen und Lehrer permanent unter Stress sind und das halt auch ausstrahlen, dann wirkt es ansteckend!

00:26:57: Das heißt... Dann wird ihr Stress erleben?

00:27:00: Das ist der

00:27:00: absolute Wahnsinn finde ich, wie du das formuliert hast.

00:27:04: Ja und die Sache ist die, also wir hatten da schon mal im Vorgespräch drüber gesprochen.

00:27:07: Wir können das messen.

00:27:09: Personen mit einem hohen Kortisolwert, das kann man im Speichel messen.

00:27:13: Die mit Kindern interagieren haben Kindergruppen die auch erhöhte Stresswerte haben Im Vergleich zu Personen die quasi dieses permanente Stressniveau nicht zeigen.

00:27:23: und deswegen ist dieses Burnout wo dann manchmal auch ein bisschen ja augenswinke an schmunzeln drüber gesprochen wird bei Lehrkräften.

00:27:30: Das ist ein riesiges Problem einmal für die betroffenen Person selber aber vor allem auch für die personen die ihnen anvertraut sind.

00:27:38: Und wir brauchen eigentlich da ein ganz, ganz hohes Niveau von Bindungs- beziehungskwalität.

00:27:45: Wenn die gegeben ist, dann funktioniert das Lernen auf jeden Fall aber andersrum nicht.

00:27:51: und das ist halt oft die Geschichte dass mit... Wir brauchen mehr Regeln, wir brauchen mehr Druck!

00:27:55: Wir brauchen irgendwie mehr Leistungen.

00:27:59: Ja, weil Leistung kommt nicht dadurch, dass ich es erzwinge sondern Leistung dass sozusagen die von selber aus begeistert entstehen können.

00:28:11: Und das ist quasi mega wichtig in der Frühmüllung, aber vor allem auch in der Schule, weil wenn das nicht gegeben ist dann habe ich ja weiterhin Einfluss auf die Muster, die sich bei den Kindern nennt.

00:28:22: Das sind alles Heranwachsene so und wir hatten einmal kurz gesprochen über dieses Stresssystem, das Alarmsystem Amygdala &

00:28:29: Co.,

00:28:30: die sind vom Anfang an aktiv Die Selbststeuerungen, das entwickelt sich bis in die Zwanziger also bis ich zwanzig bin und älter in die Jahre mit hinein.

00:28:40: Und das wird maßgeblich geprägt von den Bildungspersonen, mit denen ich zu tun

00:28:44: habe.".

00:28:45: Ja, und das finde ich so einen wichtigen Insight!

00:28:48: Wir hatten am Anfang auch schon über das Element der digitalen Welt gesprochen.

00:28:53: wie.

00:28:54: welche Rolle würdest du sagen spielen digitale Technologien soziale Medien auch heute in diesem ganzen Kontext?

00:29:01: Da forscht Du ja auch dran.

00:29:04: Also erstmal muss man sagen, dass die Geräte an sich quasi einen Rieseneinschluss haben und uns das nicht bewusst ist.

00:29:10: Wir haben in unserer Studie herausgefunden, dass selbst ein ausgeschaltetes Smartphone, was auf dem Tisch liegt, mir Kapazität nimmt.

00:29:17: Das heißt ich arbeite langsamerer?

00:29:19: Ich kann mich schlechter konzentrieren obwohl das Gerät ausgeschaltet ist.

00:29:22: Nicht Flugmodus sondern Aus!

00:29:24: Und das hängt damit zusammen, dass einfach dieses Gerät so viele Funktionen hat und es uns nicht bewusst.

00:29:30: Man muss sich einfach vorstellen, ich hab irgendwie eine Schubkarre oder ne Schubkarre reicht nicht.

00:29:35: Ich bräuchte eigentlich einen Riesenwagen der die ganze Zeit neben mir herfährt um zu zeigen was ich alles mit mir trage.

00:29:42: Filme Musik Spiele Wasserwaage nen Scanner Alles möglich.

00:29:48: also wir haben mal das aufgebaut in der Universität um das zu demonstrieren.

00:29:52: Wir sind auf über Achtzig verschiedene Geräte gekommen.

00:29:56: Das heißt es trag ich die ganze zeit mit mir rum die Möglichkeiten im Hinterkopf.

00:30:03: Was ich jetzt machen könnte, was ist jetzt vielleicht reingekommen?

00:30:06: Was habe ich am Nachrichten bekommen und je mehr ich ... Da sind wir bei Social Media

00:30:11: auch noch so ein Batzen Papier posten.

00:30:14: Ja!

00:30:14: Und wenn ich dann halt Social Media zunehne, dann weiß ich halt okay, wenn ich selber aktiv bin haben die Leute sich meine Sachen angeguckt und geleit.

00:30:21: Wir wissen aber, die meisten Leute sind gar nicht selber aktiv auf Social Media sondern gucken nur und folgen und scrolln Und das heißt, ja ist der wieder live gegangen hat die dass was macht die gerade und so weiter und sofort.

00:30:33: Das sind alles so viele Informationen Die den ich mich verwehren muss und deswegen das noch mal ganz wichtig weil Aufmerksamkeit is ein aktiver Prozess.

00:30:42: Das heißt Ich Muss aktiv steuern Was sich durchlasse und was nicht und wenn ich Durchlasse desto mehr wird mir quasi weggenommen von denen was ich an Kapazität zur Verfügung habe und das ist in der digitalen Welt So krass wie noch nie.

00:30:57: Das heißt, ich muss eigentlich wirklich schauen wie kriege ich all das geschützt was ich brauche um überhaupt funktionieren zu können.

00:31:05: Das ist so spannend und für mich wird klar dass die einzige Strategie für Digital Detox nur

00:31:14: ist

00:31:14: das Handy in einem anderen Raum zu verbannen weil selbst wenn ich ausschalte hat es nicht den gleichen Effekt.

00:31:22: Absolut!

00:31:24: Wir Erwachsene merken das am einfachsten.

00:31:26: Also es ist wirklich dieses, wenn ich mit Leuten essen gehe oder mit der Familie esse und alle sagen ja machen dann vielleicht schon standardmäßig das Handy irgendwie aus und legen die mit ein Bildchen nach unten auf den Tisch.

00:31:40: alleine diese man geht so viel Essen dann liegen da vier Handys auf.

00:31:44: Das macht was mit einem.

00:31:46: Und wenn die Leute dann da war dass das vibrieren anlassen Dann macht einen das aggressiv.

00:31:53: Es ist nicht wichtig, ich gehe nicht dran.

00:31:54: Ja aber es zeigt ja... Das ist immer

00:31:56: so unruhig

00:31:57: und es zeigt auch moment mal wie wichtig bin ich denn gerade wenn du das da vibrieren lässt?

00:32:03: Dann mach' es doch aus!

00:32:05: Also manchen Leuten ist das egal andere Leute reagieren so wie ich das jetzt gerade beschrieben habe und das heißt es greift ja in unsere soziales Miteinander in unsere Interaktion ein.

00:32:13: und deswegen einfach nur weil wir auch darüber sprechen was können wir Eltern machen?

00:32:18: und wirklich wieder dieses Thema.

00:32:20: Es ist einfach eine komplizierte Welt gerade und es macht dann keinen Sinn zu sagen, okay wir machen das jetzt perfekt.

00:32:27: Wir schaffen das Handy ab

00:32:28: usw.,

00:32:28: weil wir haben Arbeit unsere Eltern müssen uns erreichen können.

00:32:34: Und ja, dann mach' es realistisch!

00:32:36: Deswegen diese Geschichten wie Das Keichum empfehlen?

00:32:40: Holt euch irgendwie einen klassischen Radio weg oder ein anderes Gerät und packt das Handy raus aus dem Schlafzimmer.

00:32:47: Und zwar bei euch selber Dann könnt ihr auch den Kindern sagen, hier abends kommen die Handys raus.

00:32:54: Ja aber du, wir alle mein Handy dein Handy alle Handys.

00:32:58: und zweite Geschichte ist also wenn jetzt nicht tut dann fängt wieder an gemeinsam zu essen.

00:33:03: Und wenn es da nur das Abendbrot ist weil man's nicht immer alles hinkriegt klar Aber dann packt auch das handy raus weil es gibt dem Ganzen einen anderen Wert.

00:33:11: und oft Es ist so dass die letzten interaktiven Gespräche mit allen Familienangehörigen passieren beim Essen Und dann sollten halt die Geräte auch nicht im Weg stehen.

00:33:22: Auch da wieder macht es zu regel, und wenn es Ausnahmen gibt ... Weil das Kind jetzt irgendwie sagt hey!

00:33:29: Der Fußballtrainer ruft aber heute an?

00:33:31: Dann ist das ja ein gutes Argument.

00:33:33: Wenn man selber sagt ich kriege einen Anruf weil ich das für den Beruf brauche, kann man das ja erklären.

00:33:40: Man muss nichts an den Regeln festhalten.

00:33:44: Aber man schafft letztendlich durch diese Regeln Ein Rahmen, der einen selber schützt.

00:33:50: Dass man mehr von seiner Aufmerksamkeit zur Verfügung hat und sich besser auf seine Interaktionen einlassen

00:33:56: kann.".

00:33:57: Ja weil ich frage mich immer was macht das mit den Kindern wenn die auch immer im Wettbewerb im Grunde genommen stehen?

00:34:03: Mit diesen digitalen Geräten um die Aufmerksamkeit der Eltern?

00:34:06: also ich finde das manchmal und viele Erwachsene die dann so in ihre Geräte reingezogen werden denen ist es ja auch nicht bewusst unbedingt in dem Moment eben ja auch deren Aufmerksamkeit, wie gesagt einfach auf diesem Gerät dann ist.

00:34:20: Und dann schaust du halt nicht links und rechts.

00:34:23: Schaut mein Kind mich jetzt gerade an.

00:34:24: Braucht es irgendwas von mir oder so?

00:34:25: Also solche Situationen kann man für dich sehr häufig beobachten.

00:34:30: Was macht das denn mit den Kindern wenn zum Beispiel Eltern einfach auch... Ja!

00:34:34: Sehr viel am Handy sind.

00:34:35: beispielsweise also diese Arbeit am Handy Das ist ja auch fluch-und-segen zugleich weil du auf der einen Seite sehr flexibel bist.

00:34:41: Du kannst halt mit deinen Kindern zum Beispiel auf den Spielplatz gehen nachmittags und trotzdem noch irgendwie ein paar E-Mails beantworten.

00:34:48: Aber ist das wirklich gewollt?

00:34:49: Und sinnvoll frage ich mich dann immer, diese Flexibilität so zu

00:34:52: leben.".

00:34:54: Ja... Also das ist halt tatsächlich glaube ich wichtig dieses Lieber dann gucken ob man halt sozusagen eine Betreuung kriegt oder irgendwas und dass wenn man da isst dann sollte man da sein weil das merkt man als Kind Also eine Mutter oder ein Vater, die mit dem Kind auf den Spielplatz geht.

00:35:11: Das Kind sagt, geh spielen und dann halt am Handy hängt.

00:35:15: Das ist eher schlechter für das Kind als wenn das Kind quasi mit einer Betreuungspersonen geht, die quasi auch fürs Kind da ist.

00:35:22: Weil das Kind kriegt in dem Moment die Signale Mama muss arbeiten und isst auf dem Spielplatz weil da kann sie mich wegschieben.

00:35:33: Und deswegen auch da bei älteren Kindern kann ich vielleicht erklären Okay, mein Schatz.

00:35:38: Gehst du schon mal zu schaukeln?

00:35:40: Ich muss noch was am Handy machen und dann mach ich es

00:35:43: aus.".

00:35:43: Das wäre super!

00:35:44: Weil dann ist quasi das Kindes mit einbezogen.

00:35:46: Es wird erklärt usw.

00:35:48: Aber wenn ich quasi immer mal wieder gucke ... Und dann halt vielleicht mal im Nebensatz sage... Du schattest du mir Leid aber das ist wichtig von der Arbeit.

00:35:56: Dann ist die Botscha.

00:35:57: Das ist wichtig, du nicht.

00:36:00: Und das ist halt einfach für den Selbstwert des Kindes.

00:36:03: also welchen Stellenwert habe ich in der Welt?

00:36:06: daraus bildet sich welche Wert gebe ich mir selber.

00:36:09: Der wird dadurch negativ beeinträchtigt, weil wenn ich mir vorstelle, ich krieg ständig gesagt ... Ja ja, ich bin bei dir aber dieser Bildschirm in meiner Hand, der ist irgendwie relevanter.

00:36:22: Weil wenn er piepst, bin ich sofort da und reagiere.

00:36:25: Wenn du piepest, kriegst du erst mal gesagt, ja gleich!

00:36:29: Dann bin ich im Vergleich zu dem Gerät das viel weniger Wichtige in den Augen meiner Eltern.

00:36:35: Und das ist nicht gut.

00:36:37: Und einmal noch mal wichtig zurückgesprungen.

00:36:40: Jetzt sind wir schon wieder in dem Bereich, wo man mit den Kindern sprechen kann und denen vielleicht auch die Sachen erklärt.

00:36:45: das Transparenz macht ist immer super aber auch anstrengend.

00:36:48: Also ich sage nicht dass es easy-peasy ist so Aber viel wichtiger ist nochmal zurück zu gehen in die Zeit wo Das Kind eben nicht sprechen kann oder in dieser frühen Entwicklungsphase ist.

00:36:58: Wir haben mittlerweile viele Studien die zeigen Dass Säuglinge erstmal sehr viel darüber lernen ob sie geteilte Aufmerksamkeit bekommen oder nicht.

00:37:08: Das heißt, der Säugling beginnt erst mal kann seine Hände nicht greifen sondern fängt erstmal an alles auszuprobieren und dann wird daraus ein System Und dann wird aus die Hände wabbeln irgendwie rum.

00:37:19: ich kann die Finger bewegen und greifen was wir alle so lieben dieser Greifeffekt wenn den Baby den Finger in die Hand nimmt und so weiter und Dann ist es wichtig dass wir interagieren.

00:37:29: dieses ach schön ach hast du das sind alles Dinge die uns vielleicht wenn wir keine Kinder haben, komisch vorkommen.

00:37:36: Aber das sind ja Interaktionsmomente.

00:37:38: Das heißt ich teile bewusst mit dem Wesen die Aufmerksamkeit und das wird irgendwann zielgerichtet da.

00:37:44: Wenn halt ein Säugling den Kopf hin- und herbewegt und ich sehe dann es bleibt an einer Sache länger hängen und Ich bin feinfühlig Dann ist das erst was ich mache.

00:37:53: Ah Willst du das haben?

00:37:55: Und dann halte ich die Spielzeug Sonne dahin und so weiter.

00:37:58: Das heisst ich reagiere auf dass was passiert Teile die Aufmärksamkeit Und dadurch wächst was bei dem Kind.

00:38:05: Das hast

00:38:06: du wunderschön erklärt, ja?

00:38:08: Also diese Mikromomente führen halt dazu, dass das Kind weiterkommt.

00:38:12: und wenn das Kind anfängt zu krabbeln ist es immer erst mal dieses Immer Interaktion eine Bestätigung Ja fein macht das!

00:38:20: Du schaffst das usw.

00:38:21: Wenn wir diese Mikro Momente intuitiv meistens natürlich machen... ...wenn da die ganze Zeit ein Gerät dazwischen ist.

00:38:31: überleg mal, wie viele dieser Mikromemente nicht stattfinden.

00:38:34: Und das wirkt sich quasi auf die Entwicklung aus.

00:38:37: und deswegen haben erste Studien, die zeigen dass beim stillen wenn die Mutter permanent sozusagen arbeitet und die Aufmerksamkeit woanders ist weniger Oxytocin also dieses Bindungshormon ausgeschüttet wird als wenn die Mutter quasi eben nicht die ganze Zeit am Gerät ist.

00:38:55: jetzt bloß nicht anfangen zu sagen okay ich muss in der immer isoliert und hochkonzentriert.

00:39:00: Das ist völlig okay, auch mal Fernsehen zu gucken, zu arbeiten am Computer

00:39:05: usw.,

00:39:06: aber man muss sich nur bewusst machen.

00:39:08: Immer wenn ich die Aufmerksamkeit woanders hin packe habe ich sie der Interaktion mit dem Kind entzogen.

00:39:15: Ist die biochemische Reaktion in meinem Körper einfach eine ganz andere?

00:39:19: Ich reagiere dann nämlich nicht mehr auf mein Kind... sondern ich reagiere auf das, was in meinem Handy los ist.

00:39:24: Und es kann ja auch Stress auslösen.

00:39:27: Klar kann mich das irgendwie positiv stimmen wenn ich mir Katzenvideos angucke.

00:39:30: Vielleicht ist das

00:39:31: verstärkt,

00:39:31: dass du das sagst.

00:39:33: Aber das einfach so zu verstehen, dass das immer wieder ... Was ich sehe im Außen, worauf ich mich konzentriere?

00:39:39: Worauf ich meine Aufmerksamkeit richte macht halt immer eine Reaktion in meinem Körper.

00:39:44: und gerade noch durch diese Verbindung, durch Muttermilch ist es die Information, die mein Kind bekommt

00:39:51: Genau.

00:39:51: Und deswegen, also da einfach ganz wichtig... Interessant!

00:39:54: Auch da wieder nicht es geht nicht um perfekt immer so dieses Nacht im Motto jetzt wird gestillt und so weiter ich lass alles stehen und liegen.

00:40:01: Nee das ist ja gehört dazu Leben dazu dass sich eben auch mal ein Gespräch führen muss, dass ich auch mal irgendwie gucken muss auf dem Handy was irgendwie passiert usw.

00:40:11: Nur wichtig ist zu gucken dass ich die Balance hinbekomme.

00:40:13: Dass ich eben genügend Räume lasse um in diese feinfühlige Interaktion zu gehen.

00:40:19: Und feinfühlig heißt, die kleinen Reize zu erkennen.

00:40:23: Also wirklich so dieses ... Beim Stillen ist ja ganz viel auch so dieses... Ist es jetzt noch Nahrungsaufnahme oder nur noch Nuckeln der Beziehungshalber?

00:40:34: Was passiert da gerade mit der Hand?

00:40:38: Beim stillen ist das nach dem Ohr den Hahn gegriffen wird und hier und da.

00:40:43: Das sind alles Mikromomente die ich entweder quasi einfach laufen lassen kann oder dass ich halt eben erkenne, darauf eingehe und eben gucken kann wie kann ich das irgendwie ein bisschen steuern.

00:40:52: Also auch da wieder wenn ich halt diese intensiven Momente habe dann fehlt hat das auch ab, dass sich mal eine Präsentation fertig mache, dass ich mal telefoniere.

00:41:02: Das ist glaube ich ganz ganz wichtig, dass wir nicht immer in dieses hundert Prozent ganz oder gar nicht gehen oder auch nicht dass wir uns irgendwie mit schlechten Gewissen abstrafen.

00:41:11: so nach dem Motto Jetzt hab ich, die Präsentation war wichtig und das Telefonat war wichtig.

00:41:15: Aber jetzt habe ich ja ganz viele Mikromomente

00:41:17: zerstört.".

00:41:18: Ja?

00:41:18: Nee!

00:41:19: Du hast halt einfach mal quasi ... Und auch da sind wir wieder bei diesem Immunsystem Gedanken, den ich so gerne mag.

00:41:24: Auch wenn das Kind verschiedene Reize bekommt, dann ist es gut weil es kriegt halt sozusagen... Es braucht nur genug Stabilität.

00:41:33: Das ist glaube ich wichtig dass man sich ein bisschen so eine Balance überlegt und sagt okay Wir haben viele Bindungsmomente Dann kann auch mal sozusagen ein bisschen Aufgeregtheit und Stress aufseiten des Vaters der Mutter sein.

00:41:48: Das gleicht sich ja aus, weil wir lernen ja gemeinsam an den Sachen zu arbeiten.

00:41:55: Schlimm ist immer wenn es Extreme gibt.

00:41:57: quasi eine komplette Überbehütung oder Überkontrolle ist auch nicht gut fürs Kind.

00:42:02: Komplett Vernachlässigung und Entzug von geteilter Aufmerksamkeit auch mega schlecht aber Alles dazwischen führt eigentlich dazu, dass wir uns quasi auch resilientem emotionales Immunsystem aufbauen können.

00:42:18: Ja na für mich ist die Frage der Zukunft auch irgendwie total wichtig das wir einfach durch diese neue digitale Realität wirklich verstehen, dass es ein neuer Stressor ist in unserem Leben und wir auch da mit unserem Körper drauf reagieren.

00:42:33: kann man das denn wirklich so verstehen?

00:42:35: Dass so ein digitales Gerät wie das Handy wie ein Stressor eigentlich ist und so auch auf unserem Körper wirkt.

00:42:43: Also kann man das nachweisen, dass wir dadurch einfach mehr in der Stressreaktion sind?

00:42:51: Was wir nachweisen können, was vielen Leuten nicht bewusst ist, ist, dass es tatsächlich unser Alltag ist.

00:42:58: Das ist halt der große Unterschied!

00:43:00: Der Alltag aller Menschen ist aktuell so komplex geworden als er noch nie war.

00:43:08: Das hat viel damit zu tun, dass quasi durch das Internet und dann durch das Smartphone was das Internet in jede

00:43:16: Hosentasche bringt.

00:43:18: Das hat dazu geführt, dass wir alle eine viel höhere Aufmerksamkeitsinteraktionsreale Welt

00:43:27: haben.

00:43:28: Und zwar wirklich – und das ist halt das Krasse dadurch, dass die Geräte so günstig geworden sind

00:43:33: usw.,

00:43:34: wirklich mehr oder weniger auf der ganzen Welt verbreitet und alle Leute haben Zugang.

00:43:38: Und das heißt, wenn ich jetzt quasi einen Reisbauer bin irgendwo in China, der ein einfaches Leben führt auch.

00:43:45: zudem ist durch das Internet die Komplexität hinzugekommen.

00:43:50: Wenn ich jetzt in Investmentbanker bin

00:43:52: usw.,

00:43:54: ist die Komlexität immer schon hoch gewesen.

00:43:56: Jetzt ist die komplette Erreichbarkeit, Ablenkbarheit dazugekommen.

00:43:59: Das heißt unser aller Leben egal... auf welchem Niveau ich war, ist komplexer geworden und deswegen nochmal diese Geschichte mit.

00:44:07: Unsere Aufmerksamkeit ist ein aktiver Prozess!

00:44:10: Ich muss aktiv mich auf Sachen fokussieren... ...und muss dann andere Sachen abschirmen.

00:44:16: Und das wird immer schwieriger.

00:44:18: Also dieses Laservokus ist ein schönes Bild.

00:44:23: Das heißt wenn ich mich echt fokusiere, bin ich auf einem Punkt und dann ist alles da.

00:44:28: Das kriegen wir kaum noch hin weil Ich habe eine Streuung von meinem Laser, der wird immer mehr zu einem breiten Scheinwerfer.

00:44:37: Weil viele Sachen irgendwie reinkommen die ich quasi ignorieren muss.

00:44:41: aber die muss ich aktiv ignorieren

00:44:43: und das kostet auch Energie oder?

00:44:45: Ausstatt mega Energie!

00:44:46: Und weil du jetzt gesagt hast okay ist dass jetzt ein Stressor Die Welt ist so anspruchsvoll geworden Dass es dazu führt und deswegen so entsteht ja Stress.

00:44:55: Stress entsteht nicht dadurch dass sich irgendwie ne schwierige Aufgabe hat sondern Stress entsteht, dass ich quasi Dinge habe die für mich ein Problem darstellen weil ich nicht weiß ob ich sie lösen kann oder nicht.

00:45:10: Und diese komplexe digitale Welt führt dazu das sich immer einen leichten Level haben von Sachen wo ich das Gefühl habe ermisst.

00:45:18: hab ich das noch gemacht?

00:45:19: Habe ich das schon gemacht?

00:45:20: muss ich das nicht noch machen?

00:45:22: Das ist jetzt nicht der schlimme Stress von.

00:45:24: Ich fühl mich hilflos und kann es nicht tun aber ich habe permanent das Gefühl Ich muss ja noch was machen, ich könnte etwas vergessen haben.

00:45:31: Was ja schon eine gewisse Hilflosigkeit ist und das kann dazu führen dass ich einen permanenten Stresslevel habe der nicht gut ist für mich und der gleichzeitig dazu führt dass echte Stressoren zu intensiv wahrgenommen werden.

00:45:46: deswegen dieses Bild des Stressfasses.

00:45:49: also wenn ich mir jetzt vorstelle den fass wenn es leer ist bin ich buddha bin ich entspannt wie niemand sonst und je mehr Wasser drin ist desto mehr Stress habe ich schon, und desto weniger kann ich neuen Stress verarbeiten.

00:46:02: Und wenn jetzt aber schon die Hälfte des Fasses voll ist mit digitalen Stress?

00:46:06: Mit wer klickt mein Link im Profil an, wer liked, wer dies, wer das hat Oma angerufen?

00:46:12: was sagt die Kita-Gruppe, wer ist Klassensprecher geworden?

00:46:15: und so weiter und sofort... Super

00:46:17: zusammengefasst!

00:46:19: Dann hab' ich nicht mehr viel Platz im Fass Und dann gehe ich irgendwie mit den Kindern spazieren und dann labern die ganze Zeit.

00:46:26: Ich bin schon am Level, dass sich nicht mehr viel ertragen kann und sagt hey Leute ein bisschen ruhiger Papa kann auch nicht soviel usw.

00:46:33: Keine Ahnung was!

00:46:34: Dann schmeißt einer ein Eis durchs Auto... So, dann kann es sein das ich komplett explodiere obwohl ich eigentlich nicht der Typ bin einfach nur weil mein Fass übergelaufen ist.

00:46:45: Obwohl du ohne Handy und ohne Job im Urlaub vielleicht dich hättest drüber kaputtlachen können?

00:46:50: Und das

00:46:50: ist genau der Witz, solche Sachen passieren dann oft in den Urlaub weil ich sozusagen mein Mental-Load viel zu hoch habe, den ich runterfahre, meinen Stress fast voll ist.

00:47:00: Das ist einfach tatsächlich noch mal eine Geschichte durch diese komplexe Welt, in der wir leben mit all ihren Anforderungen.

00:47:08: Ich finde es nochmal wichtig zu wissen also mein Vater hat noch in einer Welt gelebt wo man ins Büro gegangen ist, da lag ein Stift und Papier.

00:47:17: Und irgendwann riesiger Computer aber man ist zum Kopieren irgendwo hingegangen und irgendwas so.

00:47:22: Und die ganzen Sachen, die für uns Normalität sind, sind on top gekommen!

00:47:26: Ich hab Emails on top ich habe Slack on top, ich habe Whatsapp on top Alles On Top, ON Top, On Top?

00:47:31: Das heißt wir haben alle von vornherein und das fängt leider schon in der Kita an und geht in der Schule weiter Die Aufgaben, die ich habe Schulmanager, die ist das Tra-la-la.

00:47:42: Das heißt, wir laufen alle schon mit einem ziemlich krass gefüllten Stressfas rum.

00:47:48: Und je nachdem was ich fühle und da sind wir bei den individuellen Geschichten und Erleben, was ich irgendwie habe hat mein Fass mehr oder weniger Kapazität.

00:47:57: Manche Leute haben halt ein kleines Stressfass das ist schon jeden Tag voll nur mit dem was der Alltag eigentlich bedeutet.

00:48:05: Andere Leute haben großes Stressfasz aber auch selbst bei denen ist schon relativ viel drin und dann kommt alles on top was mir sozusagen passiert.

00:48:14: Und deswegen letztendlich unser emotionales Immunsystem sollte uns halt helfen, erst mal ein gutes stabiles Fass hinzubekommen, was möglichst groß ist und was uns ein Verständnis gibt das es eben quasi passiert.

00:48:27: also idealerweise weiß ich heute bin ich schon am Limit.

00:48:31: Ich muss darauf achten entweder dass sich wieder runterkomme im wahrsten Sinne des Wortes damit mein Fass wieder quasi mehr Kapazität hat oder gezielt aufpasse, was passiert mir halt heute.

00:48:44: Ich muss es einordnen weil heute bin ich weniger leistungsfähig als ich's normalerweise bin oder auch das zu kommunizieren ist eine Stärke.

00:48:52: und wenn du in den Meeting gehst und sagst Leute wir hatten gerade tatsächlich verschiedene Sachen die führen dazu dass ich heute nicht so leistungspfähig bin wie sonst Wir kriegen das gut hin nur dass ihr schon mal beschreit wisst Und das sind einfach Sachen die eben helfen können dafür dass wir sozusagen proaktiv mit unserer Stresssteuerung sozusagen.

00:49:13: Und da sind wir dann bei der Selbstwirksamkeit so umgehen, dass wir das Gefühl haben je nachdem wie die Anforderungen sind ich habe die Möglichkeit mich denen zu stellen und damit umzugehen.

00:49:24: Es ist wunderbar wie du es gerade erklärt hast Sven.

00:49:27: vielen vielen Dank dafür!

00:49:28: Ich finde du hast dieses Phänomen der kollektiven Erschöpfung.

00:49:31: was wir zu diesen Zeiten nun mal erleben das sagen Mediziner sagen Apotheker hört man aus irgendwie allen Ecken.

00:49:37: Da hast du super, super erklärt und ich finde dieses Stressfass ein grandioses Konzept als Basis für auch die Selbstwirksamkeit der Menschen um zu belegen wie groß ist mein Fass eigentlich.

00:49:47: Kann nicht was tun damit es größer wird.

00:49:50: aber auch was packe ich da jeden Tag rein?

00:49:51: Und was kann ich da vielleicht auch rausnehmen systematisch ja?

00:49:55: Find' ich ein wunderschönes Bild!

00:49:57: Vielen vielen Dank dafür und ich glaube wir können damit auch total gut das Gespräch beenden.

00:50:03: Möchtest du den Hörerinnen und Hörern noch irgendwas mitgeben als Tipp, als Trick im Bereich des Stressfaßmanagements?

00:50:12: Ja.

00:50:13: Total gerne nehme ich also erstmal genau was du gesagt hast.

00:50:16: es ist tatsächlich dass man sich überfordert fühlt ist momentan ein kollektives Phänomen.

00:50:22: Also jeder hat immer so bisschen das Gefühl alle anderen kriegen's besser hin aber ich kriege ja nur die Ausstätte der anderen Leute mit.

00:50:27: So wenn ich mir irgendwie angucke achja jetzt auch die heute so leicht und lächelt und hier und da Das ist vielleicht gerade ein guter Moment, die habe ich selber auch.

00:50:37: Aber auch die Person bei der ich das sehe hat diese gleichen Herausforderungen wie ich selbst.

00:50:44: und ganz wichtig alles ist ein Prozess.

00:50:47: Also ich merke halt grade in den letzten Jahren hat mir das mit diesem Stressfass und mit dem Immunsystem diese Bilder total geholfen weil es eben mein Alltag gewesen ist dass ich gemerkt habe warum passiert denn das?

00:50:59: Warum passiert das?

00:50:59: Wie kann nicht damit umgehen?

00:51:01: Und deswegen, auch bei mir mit all dem Wissen aus Studium und Promotion usw.

00:51:06: sind die Sachen nicht easy peasy gesetzt sondern ich muss da immer noch weiter daran arbeiten.

00:51:13: aber mir hilft es total dass ich merke okay das betrifft alle und der Umgang damit und der offene umgang damit der kann mich halt eben weiter bringen.

00:51:22: also tatsächlich auch ist verhindert Streit weil man sagen kann Heute kann ich nicht gut argumentieren.

00:51:29: Ich glaube, ich würde sofort argumentieren... Das Thema ist aber mega wichtig!

00:51:33: Lass uns das vertagen so.

00:51:36: Das ist zum Beispiel auch eine Geschichte nur ein Beispiel wie man das Stressfallsgut im Alltag einsetzen kann um Schlimmeres zu verhindern und sei es in Streit mit dem Kind.

00:51:45: Genau.

00:51:46: Und das ist glaube ich einfach normal.

00:51:47: ne Geschichte betrifft uns alle ist eine Herausforderung Aber ich glaube dieses den Blick nach vorne zu wenden Und da positiv dran zu gehen, ist es ganz wichtig und wird sozusagen dazu beitragen.

00:51:59: Es ist ein Stück für Stück mehr gelingt.

00:52:02: Sven, tausend Dank, dass du deinen Wissen zu diesem super relevanten Thema heute mit uns geteilt hast.

00:52:08: Ja ich finde, da müssen wir viel mehr darüber sprechen und ja weil wir damit auch ganz aktiv sind die Zukunft unserer Kinder gestalten können und wie sie dann in Zukunft mit dem gleichen Stress umgehen.

00:52:19: Vielen vielen dank dir für deine Zeit heute!

00:52:21: Ja sehr gerne hat mir.

00:52:22: Es hat viel Spaß gemacht.

00:52:23: Danke dir!

00:52:24: Mir auch, danke!

00:52:52: Danke, dass du heute dabei warst und bis zum nächsten Mal bei Gesundsein.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.